Hans Karl (raucht und schweigt).
Stani. Das bewundere ich ja so an dir: du redest wenig, bist so zerstreut und wirkst so stark. Deswegen find ich auch ganz natürlich, worüber sich so viele Leut den Mund zerreißen: daß du im Herrenhaus seit anderthalb Jahren deinen Sitz eingenommen hast, aber nie das Wort ergreifst. Vollkommen in der Ordnung ist das für einen Herrn wie du bist! Ein solcher Herr spricht eben durch seine Person! Oh, ich studier dich. In ein paar Jahren hab ich das. Jetzt hab ich noch zuviel Passion in mir. Du gehst nie auf die Sache aus und hast so gar keine Suada, das ist gerade das Elegante an dir. Jeder andere wäre in dieser Situation ihr Liebhaber geworden.
Hans Karl (mit einem nur in den Augen merklichen Lächeln). Glaubst du?
Stani. Unbedingt. Aber ich versteh natürlich sehr gut: in deinen Jahren bist du zu seriös dafür. Es tentiert dich nicht mehr: so leg ich mir's zurecht. Weißt du, das liegt so in mir: ich denk über alles nach. Wenn ich Zeit gehabt hätt', auf der Universität zu bleiben — für mich: Wissenschaft, das wäre mein Fach gewesen. Ich wäre auf Sachen, auf Probleme gekommen, auf Fragestellungen, an die andere Menschen gar nicht streifen. Für mich ist das Leben ohne Nachdenken kein Leben. Zum Beispiel: Weiß man das auf einmal, so auf einen Ruck: Jetzt bin ich kein junger Herr mehr? — Das muß ein sehr unangenehmer Moment sein.
Hans Karl. Weißt du, ich glaub', es kommt ganz allmählich. Wenn einem auf einmal der andere bei der Tür vorausgehen läßt und du merkst dann: ja, natürlich, er ist viel jünger, obwohl er auch schon ein erwachsener Mensch ist.
Stani. Sehr interessant. Wie du alles gut beobachtest. Darin bist du ganz wie ich. Und dann wird's einem so zur Gewohnheit, das Ältersein?
Hans Karl. Ja, es gibt aber immer noch gewisse Momente, die einen frappieren. Zum Beispiel, wenn man sich plötzlich klar wird, daß man nicht mehr glaubt, daß es Leute gibt, die einem alles erklären könnten.
Stani. Eines versteh' ich aber doch nicht, Onkel Kari, daß du mit dieser Reife und konserviert wie du bist, nicht heiratest.
Hans Karl. Jetzt.