Antoinette. Ja, wir leben halt nicht nur wie die gewissen Fliegen vom Morgen bis zur Nacht. Wir sind halt am nächsten Tag auch noch da. Das paßt euch halt schlecht, solchen wie du einer bist.

Hans Karl. Alles was geschieht, das macht der Zufall. Es ist nicht zum Ausdenken, wie zufällig wir alle sind, und wie uns der Zufall zueinander jagt und auseinander jagt, und wie jeder mit jedem hausen könnte, wenn der Zufall es wollte.

Antoinette. Ich will nicht —

Hans Karl (spricht weiter, ohne ihren Widerstand zu respektieren). Darin ist aber so ein Grausen, daß der Mensch etwas hat finden müssen, um sich aus diesem Sumpf herauszuziehen, bei seinem eigenen Schopf. Und so hat er das Institut gefunden, das aus dem Zufälligen und Unreinen, das Notwendige, das Bleibende und das Gültige macht: die Ehe.

Antoinette. Ich spür', du willst mich verkuppeln mit meinem Mann. Es war nicht ein Augenblick, seitdem du hiersitz'st, wo ich mich hätte foppen lassen und es nicht gespürt hätte. Du nimmst dir wirklich alles heraus, du meinst schon, daß du alles darfst, zuerst verführen, dann noch beleidigen.

Hans Karl. Ich bin kein Verführer, Toinette, ich bin kein Frauenjäger.

Antoinette. Ja, das ist dein Kunststückl, damit hast du mich herumgekriegt, daß du kein Verführer bist, kein Mann für Frauen, daß du nur ein Freund bist, aber ein wirklicher Freund. Damit kokettierst du, sowie du mit allem kokettierst, was du hast, und mit allem, was dir fehlt. Man müßte, wenn's nach dir ging', nicht nur verliebt in dich sein, sondern dich noch liebhaben über die Vernunft hinaus, und um deiner selbst willen, und nicht einmal nur als Mann — sondern — ich weiß ja gar nicht, wie ich sagen soll, oh mein Gott, warum muß ein und derselbe Mensch so scharmant sein und zugleich so monströs eitel und selbstsüchtig und herzlos!

Hans Karl. Weiß sie, Toinette, was Herz ist, weiß sie das? Daß ein Mann Herz für eine Frau hat, das kann er nur durch Eins zeigen, nur durch ein Einziges auf der Welt: durch die Dauer, durch die Beständigkeit. Nur dadurch: das ist die Probe, die einzige.

Antoinette. Lass' mich mit dem Ado — ich kann mit dem Ado nicht leben —

Hans Karl. Der hat dich lieb. Einmal und für alle Male. Der hat dich gewählt unter allen Frauen auf der Welt, und er hat dich liebbehalten und wird dich liebhaben für immer, weißt du, was das heißt? Für immer, gescheh' dir, was da will. Einen Freund haben, der dein ganzes Wesen lieb hat, für den du immer ganz schön bist, nicht nur heut und morgen, auch später, viel später, für den seine Augen der Schleier, den die Jahre oder was kommen kann, über dein Gesicht werfen — für seine Augen ist das nicht da, du bist immer, die du bist, die Schönste, die Liebste, die Eine, die Einzige.