„Du meinst einen Orden, mein Kind!“ entgegnete wiederum die Räthin, die ihren Scharfsinn vergeblich anstrengte, zu erdenken, welchen Titel ein Mann in Buchler’s Stellung erhalten könne. Doch Camilla hielt consequent den Finger auf den Mund gelegt und antwortete nichts weiter.
„Nun, die Sache ist spaßhaft,“ sagte die Räthin nach einer Weile, „nicht minder spaßhaft, wie das, was mir Buchler gestern über die Lorenz mitgetheilt.“
„Und was denn?“
„Denk’ Dir, diese alte Hexe bildet sich ein, er werde sie heiraten, und sie wendet alle möglichen Schönheitsmittel an, ihm zu gefallen.“
Camilla lachte laut auf. „Das ist in der That sonderbar! Ich vermuthete wohl, daß irgend Jemand seinem Herzen nahe stehe und weiß sogar, daß er, um Professor Detmold, der seine erste Gattin wie eine Heilige verehrt, zu schonen, nie davon sprach, doch — die Lorenz, die sollte doch längst über die Zeit, in der man Heiratsprojecte hegt, hinüber sein!“
„An ihr hat meine Camilla keine Concurrentin,“ sagte die Räthin, die anmuthige Gestalt des jungen Mädchens mit den Augen verschlingend.
„Darüber kannst Du beruhigt sein, Mütterchen,“ entgegnete Camilla sichtlich belustigt; „Derjenige, der mich liebt, kennt keine Madame Lorenz!“
Wochen waren wiederum vergangen, Dr. Richard war zurückgekehrt und glaubte seine Professur so gut wie gesichert. Mit warmen Worten dankte er dem guten Buchler für seine Empfehlung, doch dieser wies jede Anerkennung zurück.
„Macht mir ja selbst die größte Freude,“ sagte er, „wenn ich Andern nützlich sein kann. Habe da nämlich,“ fuhr er nach einigem Besinnen fort, „einen verteufelt schönen Plan, an dessen Ausführung ich schon lange arbeite. — Denken Sie, Ihr Decret in vier Wochen haben zu können?“
„Wenn ich überhaupt der Glückliche bin, auf den die Wahl fällt, schon in vierzehn Tagen!“