„Ich, hochmüthig?“ fragte Susi erstaunt. „Ich antworte nicht, wenn mich Deine Mutter mit spitzen Redensarten quält, doch nicht aus Hochmuth, sondern um weitere beleidigende Worte zu verhindern.“
„Ich höre nichts als Klagen, wie unglücklich sich die Mutter fühlt,“ entgegnete Stern. „Sie war sonst stets so froh und heiter; ich kann Dir den Vorwurf nicht ersparen, daß Du doch nicht den rechten Ton anschlägst, ihr Herz zu gewinnen.“
In Susi’s Natur lag es nicht, unangenehme Wortgefechte fortzuführen. Sie ging verstimmt in ihr Zimmer und war während des Tages für Niemanden zu sprechen. Am Abend hatten sich einige Herren ansagen lassen, Susi ließ sich entschuldigen, da sie unwohl sei. Dr. Zelt, einer der zuerst Gekommenen, bedauerte, die junge Frau nicht anwesend zu treffen.
„Gestehen Sie nur, daß Sie mir eigentlich Ihr Glück verdanken!“ sagte er, als er mit Stern an dem Spieltisch Platz genommen.
„Mein Glück?“ sagte Stern mit einem Seufzer.
Keiner von Beiden bemerkte, daß die Portière leise gehoben worden; Frau Susi war im Begriff, trotz ihrer Absage einzutreten, doch, den Seufzer ihres Mannes hörend, stand sie still und ließ den Vorhang fallen.
„Seien Sie aufrichtig,“ fuhr Dr. Zelt fort, „habe ich nicht den armen Caspari auf meinem Gewissen. Er trauert noch heute um Susi Cahen und diese wäre ohne jene geschickt hier eingeschmuggelte Zeitungsnotiz nie Ihr Weib geworden.“
„Ich bedauere aufrichtig, Zelt, daß ich Sie damals dazu veranlaßte!“ entgegnete Stern, sich mit der Hand die Stirn glättend. „Ein altes Sprichwort sagt: ‚Gezwungene Liebe thut Gott leid‘!“ setzte er nachdenkend hinzu.
„Ach, Ihr Beide habt gewiß heute Euer Schmollstündchen!“ sagte Dr. Zelt lachend. „Wollte ich Ihnen morgen erzählen, Stern, was Sie da heute für grämliche Aeußerungen gethan, Sie würden mich zum Lügner stempeln.“
„Keineswegs!“ sagte Stern entschieden. „Ich habe mir Susi’s Jawort durch eine Intrigue erschlichen, und wenn Sie, mein guter Doctor, der Sie dabei eine Hauptrolle spielten, noch Dank dafür verlangen, so —“