Obschon kein Beweis vorlag, daß Fels ein Mörder, so verurtheilten ihn doch die Geschworenen nach allen Indicien und seinen eigenen Worten beim Anblick der Leiche seines dritten Opfers zum Tode.

Die Entrüstung im Städtchen ob der schändlichen That war eine allgemeine.

Jetzt freilich wollten einige Hellseher dies und das in des Gerichteten Benehmen auf niedere Abkunft und gemeine Gesinnung deuten, doch war die Thatsache nicht wegzuleugnen, daß derjenige, der heute als Mörder von Allen verachtet wurde, noch unlängst einer der geachtetsten Männer des Städtchens gewesen. — Zu allgemeinem Erstaunen hatte der Fürst das eingereichte Gnadengesuch berücksichtigt und die Todesstrafe in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. Von dem Correctionshause aus, das an einer Anhöhe lag, konnte Fels hinab auf seine mit allem Comfort ausgestattete Villa schauen, die die Müllerin als Erbin ihrer Tochter in Besitz nahm.

Im wunderbaren Wechsel der Ereignisse wurde schon nach wenigen Monaten dort ein Hochzeitsfest gefeiert. Der Verstorbenen zweite Schwester Anna, ein durch Anmuth und Schönheit ausgezeichnetes Mädchen, hatte Vetter Paul, gerührt von seiner aufrichtigsten Trauer um die Verewigte, die Hand gereicht. Wenngleich er nun als Schwiegersohn der Müllerin von ganzem Herzen bemüht war, die gebeugte Mutter zu trösten — er vermochte es — da Selbstanklagen und Vorwürfe ihn ungeachtet der glücklichen Wendung seines Geschickes darniederhielten, nicht. Allgemein wunderte man sich, daß die ungleich liebenswürdigere Anna in ihm das Andenken an Marie nicht verlöschen konnte.

Fels starb schon nach einigen Jahren in der Gefangenschaft; sein frevelhaft erworbenes Gut hatte ihm keinen Segen gebracht und oft hat er, wie seine Mitgefangenen berichteten, die Zeiten zurückgewünscht, da er noch mit ruhigem Gewissen und frohem Sinn als armer Schuhmachergeselle von Werkstatt zu Werkstatt wanderte und Abends nach gethaner Arbeit das müde Haupt zu friedlichem Schlafe niederlegen konnte. An einer Ecke der Kirchhofsmauer ruht der arme, reiche Mann, ein Ausgestoßener, dessen Grab Jeder meidet, der die Geschichte des Unglücklichen kennt.

Druck von J. C. Fischer & Comp. in Wien.