„Vielleicht ist es auch nur ein Amüsement im Schatten,“ sprach Rosenfeld, „aber es wäre wohl ungesund, eine junge Frau klösterlich einzusperren während eines Auslandkommandos ihres Mannes. Die Crewkameraden umgeben die Einsame mit Schutz und sorgen auch für ihre Zerstreuung. Das ist so Tradition bei uns, meine gnädige Frau.“
„Na,“ dachte Frau Krüger, „das mag manchmal ’ne schöne Beschützerei sein.“
Rosenfeld, als habe er ihren häßlichen Gedanken erraten, fügte noch hinzu: „Vor allen Dingen stehen aber die Crewkameraden einer solchen Strohwitwe in jeder Hinsicht bei.“
„Gott — wie nett.“
Da aber diese Frau die zudringlichste Neugier für die Lebensumstände von Menschen hatte, die sie eigentlich nichts angingen, so kam sie nach ein paar Minuten wieder auf Jutta und deren Lage zurück.
„Hat Frau von Falckenrott denn gar keine Eltern oder Schwiegereltern mehr? Warum ist sie derweil nicht zu diesen gezogen? Ich hab’ mal gehört, daß das in solchen Fällen geschieht.“
„Ich kann Ihnen Genaueres darüber nicht sagen,“ antwortete Rosenfeld etwas kühl, „vielleicht hat Frau von Falckenrott die Empfindung, hier, in der Berufsumwelt ihres Gatten, ihm gewissermaßen näher zu sein. Sie wäre nicht die erste, die so empfände.“
„Ach,“ dachte Frau Krüger, „daß er Genaueres nicht weiß, ist ja Schnack. Er weicht mir aus. Das hat wohl ’n Haken! Und hier dem Gatten sich näher fühlen?! Das klingt innig, sinnig, minnig.“
Und sie seufzte, während sie nun an Rosenfelds Hand dem ihr gegenüber avancierenden vierten Paar entgegenschritt.
„Mein Vetter Hinrichsen hätte auch was anderes tun können, als diese Krügers an uns empfehlen,“ dachte Rosenfeld. Ihm waren Frauen zuwider, die kein anderes Gesprächsthema kannten wie Schicksale und Handlungen ihrer Nebenmenschen.