Sie sahen sich an.

„Du bist mein!“ sagte sein Blick mit einer ruhigen, großen Bestimmtheit.

Um sie her ging aber der Tag und seine Regie weiter. Für dieses Mal war der Geheimrat der Spielleiter. Und er stand schon da, um Jutta die Hand zum Aussteigen zu reichen, als der Wagen am niedrigen, langgestreckten Bahnhofsbau vorfuhr.

Man war ein wenig knapp vor Einfahrt des von Thonon kommenden Zuges angelangt. Und nun wurde in aller Hast, beim Einsteigen und noch aus dem Coupéfenfter heraus, besprochen, daß also Herr von Gamberg morgen — nein, nicht schon morgen, er müsse sich bei Exzellenz Plaß abmelden und in der Tat ein Wiedersehen mit seinen Koffern in Genf feiern — schön, also übermorgen mit Frau Jutta und den drei Gervasius zusammen einen Ausflug nach Rocher de Naye machen werde. Er könne in dem Hotel absteigen; es liege zehn Minuten von Juttas Pension entfernt und gleich ihr scheinbar im Bergwald versteckt, während man doch einen zauberischen Blick über den See habe.

Der Geheimrat, um seine derzeitige Befehlshaberstellung auszukosten, wie er sagte, ordnete alles genau an: wann Herr von Gamberg übermorgen früh mit dem Wagen Frau Jutta abholen solle, um mit ihr nach Glion hinaufzufahren, wo man die Zahnradbahn nach Rocher de Naye zu nehmen habe; sie, die drei Gervasius, würden an der Station zur Stelle sein und sich zu den Freunden gesellen.

Neben dem Kopf des Geheimrats, der das Fenster besetzt hielt, sah Jutta ein wenig von dem auf dem Bahnsteig Zurückgebliebenen. Und dann schien er einfach fortzugleiten, als schöbe man ihn wie ein Versatzstück weiter. Der Zug rollte davon.

Sie sank, eine ganz Erschöpfte, in eine Ecke der Polsterbänke.

„Wir sind allein. Also jedem eine Ecke zur verspäteten Mittagsruhe bis Bouveret,“ befahl der Geheimrat, dem es selbst sehr um ein halbes Stündchen in Gedankenlosigkeit und mit geschlossenen Augen zu tun war.

Ja, denken, denken — nicht mit Blick und Lachen und Wort heucheln müssen, ersehnte Jutta.

Jeder saß in seiner Ecke. Renate blinzelte noch einigemal lustig zu ihrem Vater hinüber, weil er aus seiner Tasche ein frisches weißes Tuch nahm, entfaltete und über seinen Kopf deckte, ehe er wagte, ihn anzulehnen. Seine Tochter wußte: er pflegte ungefähr in jeder Tasche ein Tuch zu haben, und sie neckte ihn mit seinem Widerwillen gegen Dinge, an denen jedermann seine Spuren lassen konnte, und meinte: „Papa, du solltest auch im Leben die Gummihandschuhe tragen, die du beim Operieren anhast.“