Er drohte ihr mit dem Finger und sagte: „Du Krabbe!“

Dann waren sie alle still, und die Geheimrätin schlief sogar mit bemerkbaren Atemzügen, von denen ihr Mann nachher verleumderisch sagte, es wäre Schnarchen gewesen.

Jutta besann sich — ja, es war kein Phantasieerlebnis — sie hatte ihn gesehen, gesprochen, den Druck seiner Hand gefühlt. Er würde kommen — all diese betäubende Schönheit der Welt war wie ein tumultuarisches Vorspiel gewesen, alles würde nun klar und groß und sicher: er kam! ...

Aber wie: wenn es ihn reute? Wenn er nur zum Schein, um nicht durch eine Weigerung aufzufallen, weil ihm keine Gründe zur Hand gewesen waren, gesagt hatte: ich komme!

Wenn nun morgen ein Telegramm käme — ein Brief — eine Telephonnachricht — daß er fortbliebe!

Aus Vorsicht — wegen der Welt — um auch nicht von fern den Anlaß zu einem Gerede zu geben? Oder aus Rücksicht auf Malte? ...

„Oh,“ dachte Jutta leidenschaftlich, „ich habe ihm ja die Wahrheit gesagt, ich bin ja frei ... frei ist wieder mein Weg ins Leben ... Malte muß gefühlt haben, daß es eine Vorbereitung war zu der unerschütterlichen Forderung: gib mich frei.“

Ganz vergessen war es plötzlich, daß der ferne Mann ja noch nicht wußte ... Er und seine Ansprüche und sein Dasein waren nichts. Es gab nur eines: die bedrängende Furcht, daß Herbert ausbleiben könne ...

„Wie soll ich diese Spannung ertragen,“ dachte sie.

Sie fürchtete sich vor dem Abend, vor der Nacht.