Herbert hielt das kleine Papier zwischen seinen Fingern.

Mit Bleistift stand darauf geschrieben: „Dank! Dank! Ich hoffe wieder. J.“

Wie beredt Juttas blasse eilige Schriftzüge waren. Sie sagten Gamberg, daß der Arzt, den er herbeigeholt hatte, ihrem verzweifelnden Herzen Mut zurückzugeben vermochte. Daß sie dafür ihm dankbar war — wie es Frauen sind, die alle Verdienste gern auf den geliebten Mann häufen ... Ja, ein Liebesgeständnis, ein Beweis unerschütterlichen Zusammengehörigkeitsgefühls waren diese kurzen Worte ...

Die junge Frau droben am Bett des Kindes glich nun einer, die auf einer rasenden Flucht zum erstenmal den Mut hat, stillzustehen, zurückzublicken, aufzuatmen, sich darauf zu besinnen, daß man mit seinen Kräften haushalten muß, weil noch viele Kräfte nötig sind.

Sie dachte gesammelter nach, ließ auch ihren Verstand sprechen.

Sie zerrieben sich beide in Wachsamkeit und Angst, sie und die treue Martha. Es war klüger, abwechselnd zu ruhen, um zuverlässigere Nerven zu behalten.

„Iß und schlaf dann zwei Stunden. Dann werde ich mich hinlegen, um die Nacht durch wieder wach zu sitzen,“ befahl sie.

Gerade so grundlos wie sie gestern abend und heute früh den Anordnungen des einen Arztes zweifelnd gehorcht hatte, gerade so impulsiv war sie von blinder Zuversicht erfaßt: dieser wird mein Kind retten.

Nun saß sie im niedrigen, bequemen Rohrstuhl neben dem Wagen des Kindes. Man hatte natürlich das Gitterbettchen nicht mit auf die Reise nehmen können. Und ganz gewiß lag das kleine Wesen in seiner rührenden Unselbständigkeit ebenso geräumig, warm und weich in diesem schönen englischen Wagen.

Aber es quälte Jutta. Ihr schien, es läge stiller, geborgener, wenn nur das Gitterbett zur Stelle sei, mit den sanften blauen Seidenfalten, die vom gebogenen Stab über das Kopfende herabfielen. Wenn man nur die ganze, von träumerischer Schlafensfeierlichkeit durchwobene, frischduftende Behaglichkeit des heimatlichen Kinderzimmers hierher zaubern könnte!