Still, mit guten, friedlichen Wächteraugen sahen sie aufeinander, gesellig in ihrer Menge. Die letzten Strahlenspitzen des einen trafen auf den äußersten Glanzkreis des anderen. Das gab einen wunderbaren Zusammenhang — als reichten sich wachsame Geister mystische Lichthände. Das war, als schwebe über den schlafenden Wassern, über dem Schlummer der Natur noch ein anderes, geheimnisvolles, niemals ermüdendes Leben.
An ihren Bojen ankerten die Kolosse der Kriegschiffe, die am Tage Riesen gleichen, die mit ihrem Rücken auf dem Wasser schwimmen und über ihren gewaltigen Rumpf empor Arme und Beine luftwärts strecken. Jetzt in der Nacht erriet man die Anwesenheit der weiter hinaus liegenden nur an ihren Lichtern; die grauen Leiber der näheren erkannte man undeutlich; wie auf sehr flüssig gemalten Aquarellen die Farben ineinanderzufließen scheinen, so verschwammen die Grenzen ihrer grauen Formen mit dem Schwarz der Nacht.
Jetzt horchte Jutta auf. Die schmetternde, werbende, beklemmende Carmenmusik war verhallt. Die Dreitaktbaßtöne aus dem Haus kamen nicht bis hierher. Stille hatte sich über die Sommernacht gesenkt.
Aber nun klangen kurze, melancholische Töne auf. Rund und schnell.
Es glaste auf den Schiffen.
Mitternacht ... Mitternacht.
Und drüben, auf der anderen Seite der Weltkugel — was glaste die Schiffsglocke da?
Jutta fühlte: ich bin sehr erschöpft.
Sie sagte es fast hörbar vor sich hin.
Und sie wußte nicht: erschöpft von all den Festen, vom betäubenden Tanz des heutigen Balles — oder erschöpft vom Leben ...