Aber was Martha ihr berichtete, von seinem Schreck, seiner tätigen Fürsorge, erfüllte sie mit Glück.
Sie weinte still vor sich hin ... Ja, das war Liebe ... sie fühlte: er würde ihr Kind, das vaterlose Kind, gütig an sein Herz nehmen ... eines Tages, wenn es so weit war, daß er das Recht dazu bekam.
Wo war jetzt Malte? Was wußte er von der Todesangst dieser Stunden? Und daß das Kind, das er nie gesehen, dessen Dasein für ihn keine Wirklichkeit war, sich in Gefahr befand?
Nichts wußte er ... Aber der andere Mann war zur Stelle, schützend, helfend ...
Und von Dankbarkeit überwältigt, schrieb sie, kaum daß der Professor das Zimmer verlassen hatte, die eiligen Worte auf das kleine Papier ...
Zwei Stunden später waren auch Gervasius’ zur Stelle.
Was konnten sie tun? Mit dem Bestreben, Schritt und Bewegung ganz unhörbar zu machen, schlichen Renate und ihre Mutter herein und küßten die blasse junge Frau und sahen bekümmert auf das jämmerliche kleine Menschenkind, das in seinen Kissen lag und zu kraftlos schien, die Augen aufzuschlagen oder zu schreien.
Die Frau Geheimrat bot keine Hilfe bei Pflege und Wachen an. Sie wußte von selbst: das wäre nicht angenommen worden.
Der Geheimrat hörte die ganze kurze und doch so beängstigende Krankengeschichte an. Er war Spezialist auf anderem Gebiet und wies ausdrücklich Urteilsfähigkeit und Verantwortung ab. Dennoch aber war es Jutta ein Trost, zu hören, daß ihm scheine: alles läge klar, und die Anordnungen der Ärzte seien die vernünftigsten und allein möglichen.
Die Frau Geheimrat flüsterte liebevoll: sie und Mann und Tochter würden sich den Nachmittag und Abend über in der Pension aufhalten; ja, sie sei bereit, im Hause zu übernachten. Damit Jutta wisse: Freunde seien in der Nähe. Aber das lehnte Jutta beängstigt ab. Es würde ihr geradezu ein Gefühl von Unruhe erregen, wenn sie wisse, die Freunde träten aus dem Rahmen ihres Ferienbehagens heraus, um hier nutzlos herumzusitzen. Sie sagte, sie werde ganz gewiß sofort nach ihnen rufen, sobald ihr das Verlangen nach ihrer Gegenwart komme.