Innigst Dein Malte.“
Von aller Kraft verlassen stand sie — lehnte sich ans Fensterkreuz, um nicht zu sinken, ging endlich schwankend auf den Wagen zu — sein dunkler Lack machte ihn in diesem Augenblick, wo die graue Dämmerung ins Zimmer schattete, einem Sarg nicht unähnlich. Das Gestell der Räder, sperrig und leicht gebaut, gab diesem Lager das Wesen bedrohlicher Leichtbeweglichkeit ...
Als würde es sofort von gespenstischer Hand fortgestoßen werden — hinweg aus den Augen der Mutter — hinein in eine Nacht, der kein Morgen tagt ...
In den Kissen lag der kleine Kopf — seltsam kleiner geworden, schwer, hart.
Das Kind atmete kaum ... wie zu Tode erschöpft lag es, hindämmernd an den Grenzen seiner Kraft.
Außer sich, von wahnsinniger Angst zerbrochen, fiel die Mutter neben diesem Lager, das ihr unnennbare Furcht einflößte, in die Knie.
„Lebe!“ flehte sie das Kind an. „Lebe.“
IX
Der Strand von Saßnitz war buntscheckig von der gedrängten Menschenmenge. Nicht nur am Kai, sondern vor den vom Bergwald überragten, ansteigenden Häuserzeilen stand sie in Beharrlichkeit. Sie hatte sich lang hinausgezogen, wand sich, einem wandernden Ameisenheer nicht unähnlich, in dünner Linie auch am Ufersaum hin, hart am Meer, dicht unter den steilen Wänden der weißen Kalkfelsen, die auf ihren Häuptern die grünen, tiefen Buchenwälder trugen.
Ein Sommertag voll ruhigen Lichtes und klarer Wärme wollte zu Ende gehen. Das Meer lief im gelassenen Gleichmaß der Bewegung gegen das Ufer an. Das blaue Glas der Wogen zersprang auf ihren Gipfeln und zerschlug sich zu weißem Schaum.