Inzwischen war die Post sortiert und wurde an Bord ausgetragen.
Emmich sah, als die Ordonnanz die seinige auf den Schreibtisch legte, vor dem er mit Krietzow saß, obenauf den Brief Renatens.
Aber natürlich, mehr als diesen Blick konnte er den lieben Schriftzügen jetzt nicht gönnen.
Erst der Dienst.
Und in seinem Gedränge mochte er auch nicht lesen. Es war gerade, als hielte eine heimliche, warnende Stimme ihn davon ab, einen kurzen Blick hineinzutun.
Emmich Hochhagen erledigte erst alles, was noch abzuwickeln war, ließ seine Sachen packen, meldete sich beim Kommandanten ab und fuhr dann mit einigen Kameraden an Land. Alles freute sich auf die Abwechslung. Es tat den Nerven schon wohl, sich einmal in hohen weiten Räumen beim Essen aufzuhalten; nicht nur mit Männern in engen, niedrigen, kunstvoll ausgesparten Räumen zusammen zu sein. Es war ein Vergnügen, Frauen zu sehen, die eleganten Frauen eines Badeortes, die mit lächelnden und gütigen Blicken an ihnen vorbeistrichen, zu rascher und mehr oder minder harmloser Anknüpfung merkwürdig bereit.
Man aß zusammen in dem Hotel, in dem Emmich Hochhagen zu übernachten dachte, um den Frühzug nach Berlin zu nehmen. Im Hinblick auf die Anwesenheit des Geschwaders war eine Reunion veranstaltet. Aus dem Saal neben dem Restaurant klang Musik. An der Glastür vorbei drehten sich tanzende Paare. Vorurteilslos und bereit, jede frohe Stunde zu nehmen, wie sie ihnen zufiel, beteiligten sich die jüngeren Offiziere mit leidenschaftlichem Eifer am Tanz, als lägen nicht die aufreibenden Mühen eines spannungsvollen Aufklärungsmanövers hinter ihnen.
Die Kameraden von der „Thuringia“ feierten Hochhagen weg und quälten ihn — ahnungslos — mit ihrem wohlwollenden Neid! Ja, wer solchen Dusel hatte! Zu so einer entzückenden Braut fuhr! Sich so fabelhaft nette Schwiegereltern zugelegt! Ja, der konnte wohl zugeben, daß das Leben immerhin ein Pläsier sei.
Er lächelte etwas mühsam dazu.
Sie wußten ja nicht, daß sein junges Glück von einem Unbehagen umlauert war, das von Post zu Post wuchs.