Nicht in ihrer Liebe. O nein! Das fühlte er wohl.
Ihr Herz drängte sich an das seine voll Angst und Unruhe.
Das war es: voll Angst.
Junge Liebe darf keine Angst kennen. Die soll nur hoffen und glauben.
Was schreibt sie da?
„Wenn ich daran denke, daß Jutta ihren Mann aus leidenschaftlicher Liebe heiratete, und daß all dies Glück sich jetzt schon in Kummer, ja in Verzweiflung verwandelt hat, muß ich weinen vor Angst, daß es auch unserer Liebe ebenso ergehen könnte.“
Und wie zitterte sie vor der Zukunft?
„Ob ich wohl stärker wäre als Jutta? Ob ich wohl während einer so langen Trennung immer freudig bliebe? Ob Liebe wohl durchaus der Gegenwart des Geliebten bedarf, um ganz lebendig zu bleiben? Oder ob man ein wenig oberflächlich sein muß, weniger am Geliebten hängen muß, um seine Abwesenheit gefaßter zu ertragen? Ach, du glaubst es nicht, wie mich alle diese Fragen beschäftigen.“
Und weiter: „Schreckliches Mitleid hab’ ich mit ihr — wir weinen so viel zusammen. Und dabei ist mir manchmal zumute, als weinte ich über uns ...
Ich habe nicht gedacht, daß man als Braut so schwere Gedanken haben könnte. Aber vielleicht muß es so sein. Mama sagte mal, man müsse die Brautzeit nicht durchjubeln, sondern zur ernsten Einkehr benutzen. Und nun frage ich mich immerfort, ob ich auch wohl stark und groß genug bin, die Frau eines Seeoffiziers zu werden. Die braucht viel Tapferkeit und viel Selbstverleugnung ... Ich habe immer gedacht: durch Liebe bringt man das auf. Aber die arme Jutta hatte doch auch Liebe.“