Er las den Brief wieder und wieder.
Zuletzt sonderte er gar nicht mehr die einzelnen Stellen heraus. Alles floß zusammen. Alles hatte im Grunde den einen, den gleichen Inhalt: Furcht vor der Zukunft!
Und was langsam, von einem Brief zum anderen in ihm emporgewachsen war, stand nun als harter Gedanke plötzlich ganz klar vor ihm da.
Lieber jetzt ein jäher Schnitt — ein furchtbares Zerreißen, als eine Zukunft voll Unsicherheit ...
Er fühlte: es würde seine Manneskraft untergraben, seine Berufsfreudigkeit aufzehren, wenn er später in Angst vor dem Gemütsleben seiner Frau zu sein hätte. Er hatte ja die Frau seines fernen Freundes betreut — hatte gesehen, wie haltlos eine Frauenseele werden kann, wenn sie vor Sehnsucht müde wird. —
Das wollte er nicht erleben. —
Lieber ein einsamer Mann bleiben ...
Auch um des holden, zärtlichen jungen Wesens willen, das sich jetzt schon vor bloßen Möglichkeiten fürchtete ... deren Glück, das frische, jubelnde Brautglück, sich schon jetzt in verzehrende Unruhe verwandelt hatte.
Ihr, vor allem ihr, noch mehr als sich selbst, war er es schuldig, als Mann zu handeln.
Er begriff, daß dies vielleicht einer von den Fällen war, wo höchste Härte am letzten Ende höchste Selbstaufopferung ist.