Was mußte er tun?

Ihr schreiben. Ihr das Wort zurückgeben und ihr anheimstellen, sich in Freiheit noch einmal zu prüfen.

Schreiben?!

Er lächelte bitter in sich hinein.

Wo andere Männer handeln, eingreifen und durch die Wucht ihrer persönlichen Gegenwart einen Kampf zu ihren Gunsten entscheiden können, bleibt uns — ein Brief! Der jämmerliche Abklatsch des Gefühls! Erregung, Zorn, Bitte, Liebe aus zweiter Hand — auf dem Papier.

Die Ferne nimmt uns unsere Waffen ...

Aber er — er war hier — saß nicht wie der arme Malte drüben bei den schrägäugigen, gelbhäutigen Chinesen, während hier sein Glück in die Brüche ging, das er nur mit — Papierfeuer hatte heißhalten können. — Er war zur Stelle — hatte nur einen Tag, eine Nacht und noch einen Tag zu fahren, um vor die Geliebte zu treten — Aug’ in Auge mit ihr um sein Glück zu ringen. Ihr streng und stolz, fest und stark zu sagen: Hast du kein Vertrauen zu dir selbst — so leb’ wohl! Was mich betrifft, ich habe den Glauben an mich: es können mich Jahre und Ozeane von dir trennen: ich bleibe dein, freudig und treu. Traust du dir’s nicht zu: leb’ wohl! Begreifst du nicht: eine große Sache fordert Opfer auch von dir — leb’ wohl! Erkennst du nicht: es liegt ein tiefer, heiliger Sinn darin, daß die Frau gefaßt zu warten versteht auf den Mann, der nicht zu selbstischen Zwecken hinauszieht, sondern um dem Vaterland zu dienen — erkennst du es nicht, dann: leb’ wohl! ...

Ja, so wollte, so mußte er vor sie hintreten ...

Aber plötzlich, in den lodernden Zorn dieser Vorsätze, fiel der Schreck: Nein, das kann ich nicht — man reist nicht von weit her zu einer Frau, um ihr zu sagen: wir müssen scheiden.

Er sah ihre Eltern vor sich. Diese Menschen, die er um all ihrer reifen Güte und Klugheit willen so hochstellte.