Er sah sie selbst: das weiche, schöne, liebe Gesicht! So jung! So zärtlich ...
Und noch so lachend war es gewesen vor wenig Wochen — ganz unberührt von allen Seelenkämpfen.
Er sah sie weinen ...
Und die Vorstellung war so beklemmend, daß sich ihm die Stirn feuchtete.
Das war zu hart für beide — für ihre Weichheit — für sein Mitleid — sich in solcher Aussprache gegenüberzustehen ...
Er fürchtete auch plötzlich, daß Hoffnungen und der heiße Wunsch, sie sein zu nennen, ihn schwach machen könnten.
Daß wiederum sie sich nicht frei entscheiden, sondern sich auch von zärtlicher Aufwallung bestimmen lassen könne ...
So blieb wohl nichts als schreiben — als das elende Mittel, das immer nur einem Bruchteil alles Gedachten und Empfundenen auf den anderen hinüberwirken lassen kann ...
„Ich habe ja Zeit,“ dachte er.
Morgen kann ich schreiben — morgen — anstatt in jubelnder Vorfreude auf Wiedersehen zu ihr zu eilen ...