Schlaflos lag er die ganzen Stunden, bis der Tag graute. Es waren ihrer ja nur wenige.
Seine Nerven, überreizt von den großen Anstrengungen der letzten Wochen und Tage, von der Unsumme von Angelegenheiten und Verantwortlichkeiten, die er, als Erster Offizier an Bord, ständig geistesgegenwärtig in seinem Kopf zu halten hatte, wollten sich auf keine Weise zur Ruhe zwingen lassen.
Er versuchte, an die mechanischen Dienstsachen zu denken — an irgendeinen kleinen Ärger, den es da oder dort gegeben hatte — an die drolligen Schrullen einiger Kameraden — —
Umsonst.
Er konnte nichts, als sich in die Vorstellung hineinleben: ich habe mein Glück verloren.
Zuletzt schien es ihm, als trennten ihn schon große Zeiträume von dem Augenblick, wo er von Bord gegangen war — Zeiträume, in denen das Leben über ihn hinweg weitereilte und ihn zurückließ: alt, mutlos, freudlos ...
Eigentlich hatte er ganz vergessen, daß da draußen auf der Reede das Geschwader ankerte. Daß wohl schon jetzt, im Morgengrau, im Dunst der See, die ihre Wärme dampfend an die kühle Luft abgab, daß da schon Depeschenboote über die Wasser schwammen, mit leisem, eiligem Rauschen die glatte Oberfläche zerschneidend.
Als es an seine Tür klopfte, hart und schnell, antwortete er gehorsam „ja“ und dachte, daß er vielleicht befohlen habe, man solle ihn zur Abreise rechtzeitig wecken.
Er wunderte sich, als nun der Maat eintrat, der an Bord sein Bursche gewesen war, und den er gestern abend dort hatte zurücklassen müssen.
„Was vergessen?“