„Darf nicht! Ach du lieber Gott! Wenn wir was zu erlauben hätten ...“

„Ich muß dir anvertrauen — halte mich nicht für indiskret — ich muß es sagen: rette das Kind — die Ehe der Eltern geht sonst in die Brüche!“

Der Geheimrat faßte den Arm des anderen: „Ruhe, mein Lieber, Ruhe! Wie naiv werden doch alle Menschen, wenn der Tod in Sicht ist! Als könnte man mit ihm handeln! Als gäbe es für ihn Gründe. Die Ehe der Eltern geht hier den Arzt nichts an — um das Leben an sich wird gekämpft — ich will dir sagen: wenn der Tod hinter der Tür steht, gibt es nur das Leben an sich, das verteidigt wird nach besten Kräften. Was Nebenumstände? Was Vergangenheit? Was Zukunft? Um ihretwillen wär’s manchmal besser, man fiele dem Tod nicht in die Arme. Aber das steht nie zur Frage. Immer nur: das Leben an sich! Es ist immer beinahe, als symbolisiere sich in dem einen Leben, das zu Ende gehen will, die Wichtigkeit alles Lebendigen. Ach, so oft man’s auch mitgemacht hat: dagegen härtet man nie ab.“

Er schwieg.

Und Emmich sagte noch, zäh seinen heißen Wunsch verteidigend: „Ja, es muß leben. Es wird auch — es wäre so grausam.“

Nach einer Weile fragte der Geheimrat: „Ich glaube aber, die Pension ist voll?“

„So? Ich habe gestern depeschiert, gebeten, Zimmer zu reservieren, Antwort konnte ich ja nicht erbitten.“

„Weiß Jutta, daß du kommst?“

„Habt ihr es ihr nicht gesagt?“ fragte er zurück.

„Wir fanden deine Depesche, als wir gestern abend von unserem Besuch bei ihr zurückkamen. Nach einer kleinen Meinungsverschiedenheit zwischen meiner Frau und mir kamen wir doch überein, ihr nicht zu telephonieren.“