„Wir wollen der gnädigen Frau doch die Freiheit lassen, sich zu wenden, an wen sie will.“
„Jedenfalls,“ scherzte der Geheimrat rasch und erzwungen, „ist sie nicht verlassen, wenn schon Rivalität entsteht, wer ihr beistehen soll. Also, lieber Emmich: sage Frau Jutta, ich sei hier und zu ihren Befehlen ... Kommen Sie, lieber Gamberg, setzen wir uns in den Schatten, bis Hochhagen uns Nachricht herausschickt ...“
Und er nahm Gamberg am Arm und führte ihn fast an den Tisch unter der großen Tanne, den besten Aussichtspunkt des Gartens.
Im Hause, wo Madame schon Befehle gab wegen der Räumung und Reinigung der Stube, die der neue Gast haben sollte, erfragte Emmich die Zimmer Juttas.
„Nummer neun ist das Schlafzimmer der gnädigen Frau, auf zehn ist jetzt das Krankenzimmer; die Zimmer sind im ersten Stockwerk, rechts den Korridor hinunter.“
Er stieg langsam hinan auf den Kokosläufern, die die Holzstufen der Treppe deckten — die Hand griff dabei mechanisch am Geländer vorwärts, als bedürfe er der Stütze.
Was wird sie sagen? Was werde ich ihr sagen?
Er wußte nicht was. Unbestimmte Richtergefühle hatte er. Als sei er auf dem Weg, eine Sünderin zu vernichten.
Sie zu fragen: was hast du aus deiner Ehe gemacht? Was hast du meiner Braut getan? Und damit mir?
Wie friedlich ging der Sonnenstrom den Korridor entlang. Durchs Fenster kam er und füllte mit seinem flimmernden Gold den schmalen Gang zwischen den gelblichen Wänden. Und ganz voll von Tannenduft war er, stark und harzig.