Welche Kämpfe sie wohl mit sich ausfocht in ihrer angsterfüllten, traurigen Einsamkeit!

„Nun vielleicht werde ich es bald wissen,“ dachte Emmich.

In ihm war ein Gefühl, als müsse er auf sein Recht pochen. Es deutlich betonen, daß er hier den Freund und Kameraden vertrete.

„Ich bin, wie jeden Morgen, gekommen, um mich nach dem Verlauf der Nacht zu erkundigen,“ bemerkte Gamberg.

„Sie sollen es gleich erfahren,“ sagte Emmich.

Er stand noch eine Sekunde zaudernd. Ihm fiel ein: hier der Geheimrat war ja unter allen Umständen der berufenste und willkommenste Besuch im Krankenzimmer. Aber er hatte eine große Begierde, Jutta zu überraschen — sie allein zu sehen — plötzlich vor ihr zu stehen — wie eine Forderung, eine Mahnung vor sie hinzutreten — ihm war, als müsse in seiner unvermuteten Erscheinung so etwas wie eine Botschaft liegen — Trost — oder Strafe ... er wußte dies alles selbst nicht genau — er fühlte nur das unbezwingliche Verlangen, der Frau ohne Zeugen in die Augen zu sehen — ihm schien, als müsse dann irgend etwas Klärendes sich begeben — sie werde sich in ihrer Not ihm anvertrauen — vielleicht weinen —

„Du begreifst, Papa ...“ Der Geheimrat machte schon eine zustimmende Geste.

Emmich sah Herrn von Gamberg fest und klar an, fast befehlshaberisch.

„Ich danke Ihnen für alle Fürsorge, die Sie gezeigt haben. Von nun an stehe ich der Frau meines Freundes bei, soweit sie männlichen Beistandes bedürfen sollte,“ sagte er.

Herr von Gamberg machte eine Bewegung, als markiere er eine Verbeugung.