Aber beherrscht wie immer kam Gamberg nun näher, um Hochhagen zu begrüßen.
Er reichte ihm die Hand.
„Welche Überraschung, Herr Kapitän! Hat Frau von Falckenrott Sie schon empfangen?“
„Ich komme in diesem Moment an und höre eben von Madame, daß das letzte Zimmer, das noch zu haben gewesen wäre, für Ihren Diener genommen worden ist.“
„Er kann sofort die Pension verlassen. Ich hatte es angeordnet, damit Frau von Falckenrott noch jemand zu ihrer Verfügung habe, falls sie der Hilfe bedürfen sollte. Ich selbst wagte mich ihr dazu nicht aufzudrängen.“
„Zu korrekt, um unverdächtig zu sein,“ dachte Emmich.
Sie sprachen voll äußerster Höflichkeit weiter zusammen. So höflich, daß es dem zuhörenden Geheimrat beklemmend wurde.
„Es gibt so merkwürdige Feindseligkeiten,“ dachte Emmich, während er förmlich weitersprach. „Er hat mir ja eigentlich nichts getan. Und wenn er Jutta liebt und in schwieriger Lage die Haltung eines Ehrenmannes zu bewahren trachtet, sollte ich ihn eigentlich bemitleiden. Gott weiß, woher solche Feindseligkeiten kommen. Wie in eine Wolke davon gehüllt, erscheinen einem manche Menschen. Jeder Blick von ihnen reizt uns. Jedes Wort benimmt uns ... wie von selbst sind wir befangen und geärgert ihnen gegenüber.“
Ja, so von Natur aus, vielleicht nur, weil er ganz anderer Art war, erschien ihm Gamberg als Feind. Und mußte sich doch gestehen: er scheint wieder sehr vorsichtig gehandelt zu haben ... Denn merkwürdigerweise und trotz aller Antipathie dachte er nie: das ist nicht wahr, was er erzählt.
Er glaubte unbedingt, was er hörte, daß Jutta seit der Erkrankung des Kindes ihre Zimmer nicht verlassen habe, und daß Gamberg nicht einmal wagte, bei ihr sich melden zu lassen.