Jutta wurde nun von einer Hast ergriffen, als hänge das Äußerste daran, daß sie rasch, rasch aus diesem Festlärm entfliehe. Und Gamberg, dessen Arm sie losgelassen hatte, folgte ihr so unmittelbar, daß er Vorsicht beobachten mußte, nicht auf ihre schleifende, leichte gelbe Chiffonschleppe zu treten.

Sie warf sich in einem der zur Garderobe verwandelten Nebenräume ihren Spitzenmantel um.

Gamberg wartete unter dem Portal auf sie.

Draußen, auf dem Fahrdamm, jenseits des hohen Gitters, das das Gelände der Marineakademie von der Straße schied, standen Droschken hintereinander, mit ihren dunkeln Kasten auf den unbeweglichen Rädern, einem ins Stocken gekommenen Leichenzug nicht unähnlich. Die Kutscher, mit hintenübergesenkten Häuptern, vorausgestreckten Bäuchen und verschränkten Armen, förmlich wie aufgeplustert, schliefen in Gelassenheit. In stumpfsinniger Geduld ließen die Pferde die Köpfe hängen.

Gamberg öffnete die Tür der ersten Droschke, indem er zugleich den Kutscher durch Zuruf ermunterte.

Jutta stieg ein.

Droben der plumpe Mann auf dem Bock hantierte noch umständlich mit seinem Sitz, der Pferdedecke und den Zügeln.

Gamberg stand am Schlag. Von den Laternen her, die die Pilaster des Gittertors krönten, fiel scharfes Licht auf ihn.

Jutta sah ihn mit großen Augen an. Sie prägte sich noch einmal, wieder einmal, zum hundertstenmal genau seine hohe, blonde Erscheinung ein: das helle Bärtchen auf der Oberlippe, das helle, kluge, lebhafte Auge, die vornehmen, immer von einer gewissen Zurückhaltung beherrschten Züge.

Und auch er sah das völlig beleuchtete blasse Frauengesicht, die herrisch erhobene Haltung ihres Kopfes, den großen Blick, der ihm fast feindselig erschien.