Es war ihm wirklich leid. Es schien ihm, als nähme er dem fernen Gatten was weg und bestehle auch die Frau um eine Freude, wenn sie die große Überraschung von ihm erfuhr, anstatt daß sie ihr aus den Briefblättern entgegensprang wie lauter Jubel ...

„Von welcher Sache?“ fragte sie, vor Ungeduld vergehend.

„Ja — dann muß ich’s wohl sagen. Also Malte will, daß Sie nach Ostasien kommen.“

„Ich!“ schrie sie auf. Und dann, stammelnd, leiser, wiederholte sie noch einmal und noch einmal: „Ich — ich ...“ Und wurde dann sehr still.

Hochhagen sah die Frau an. Wie bleich war sie geworden. Wie schwer atmete sie. Was war das? Seine wohlwollende, treuherzige Beschützerstimmung verwandelte sich mit einem Schlag in gesammelte Aufmerksamkeit.

Nein, diese Frau schrie so nicht auf, weil die Freude sie überwältigte ...

„Was ist daran so außerordentlich?“ fragte er, „wie manche Marinefrau ist schon zum Besuch ihres Gatten ins Ausland gereist.“

Jutta ging bis an die Balkontür vor. Sie lehnte sich mit der linken Schulter gegen den Pfosten. Unverwandt sah sie gegen die grünen Stäbe der herabgelassenen Persienne.

Hinter ihr wartete der Mann ein paar Augenblicke. Er dachte: sie muß sich erst fassen. Aber als sie fortfuhr zu schweigen, sagte er ganz ruhig: „Vor acht Wochen ist Frau Kapt’enleutnant Rohrbrand nach Sydney gefahren, um ein Rendezvous mit ihrem Mann zu haben.“

Ohne sich zu rühren, sprach Jutta: „Rohrbrands — haben Geld — die können das — reiche Eltern haben sie — ja ...“