Plötzlich war’s, als sei ein Quell aufgesprungen. Die ganze schwüle Gegenwart schien überströmt von Frische und Bewegung.

Jutta richtete sich auf. Ihre Augen blitzten.

„Ach, wie fröhlich waren wir da — wir jungen Mädchen auf Schmylau — sechzehn und siebzehn Jahre alt ... Und Sie für uns so etwas wie ein großer Herr — ein Mann, der alle seine Examen so unerhört früh bestanden hatte, von dem es hieß, er werde Karriere machen — vor dem wir etwas scheu waren, weil wir dachten, er würde so gut wie übermorgen Minister oder Botschafter werden. Denn Regierungsassessor und Exzellenz — das lag für uns so ziemlich dicht beieinander. Aber nun weiß ich’s lange: es ist ein weiter Weg. Alle Wege im Leben sind sehr weit ...“

„Und ich? ... Während ich, wenn ich mit den jungen Damen zusammen war, hochmütige Gesten hatte, die ich für fabelhaft wirkungsvoll hielt, und alle weibliche Verehrung von unerreichbarer Höhe herab zu belächeln schien — ich stand oft hinter den Gardinen meines Fensters, lauerte mit unerschütterlicher Geduld, bis ich Sie und die Schmylauer Töchter im Park sah. Dann stürzte ich hinab, nahm in Ihrem Sehfeld steife Schritte an und tat mehr gestört als erfreut über das ‚zufällige‘ Zusammentreffen. Ja, wir waren sehr jung damals. Sehr ...“

Sie lachten.

Und nun nahmen sie einander fast die Worte vom Munde.

„Wissen Sie wohl noch, an jenem Abend ...“

„Als unsere Mütter mit der Frau des Hauses die so verworrenen, unübersichtlichen Verwandtschaftsgrade ausrechneten, die sie mit den Schmylauern verbanden ...“

„Bis ich es nicht mehr ertrug und nach einem heftigen Augengezwinker mit Lu und Fi hinauslief in den Park.“

„Wohin ich den jungen Damen gleich nachging.“