Soll ich ihr, die ich liebe wie nichts mehr auf der Welt, soll ich ihr nicht helfen? ... Unwahrheit ist Unglück ... Ich kann nicht zusehen, wie dies junge Leben zerbricht ...
In solchen Sachen steht das Wort „Pflicht“ wie ein verschwommener Begriff. Wo fängt sie an? Wo endet sie? Gegen wen steht sie am höchsten? ...
Wäre er da, daß ich mit ihm kämpfen könnte, Mann gegen Mann ...
Ich kann nichts tun als warten — warten, ob ihr Herz den Mut hat, zu mir zu kommen. Ich darf nicht der Versucher sein. Ich darf nur der Schutz, die Zukunft, der Hafen sein, wenn sie aus eigenstem Entschluß heraus diese ihre Ehe verläßt ...
Aber indem er dies im jagenden Flug der Gedanken bedachte, hatte er zugleich die dumpfe, quälende Erkenntnis davon, daß vielleicht alles anders sein würde, wenn der Mann zur Stelle wäre ... Daß nur die Sehnsucht die Tore ihrer Seele so weit geöffnet habe, daß Liebe gehen und Liebe kommen konnte ...
Seine ganze Mannespersönlichkeit wehrte sich dagegen auf. In dieser Erkenntnis lag zu viel Demütigendes, als daß er sich in ihr hätte bescheiden können.
Und da waren auch Erinnerungen, schöne, liebe Erinnerungen, die ihm recht zu geben schienen.
Unter dem Zwang einer ihm nicht ganz deutlich zum Bewußtsein kommenden Ideenverbindung fing er an, von ihnen zu sprechen.
„Wissen Sie noch, liebe Jutta — die schönen Sommerwochen, vor sechs und sieben Jahren, in Schmylau?“
Sie sah ihn an — in atemlosem Staunen — von heißer Freude benommen. Das war sein erstes Wort — das! Nach dem langen drückenden Schweigen zwischen ihnen sprach er geradezu in ihre Gedanken hinein?! Denn auch sie lebte wieder in jenen Sommerwochen und weckte ihren Zauber zum Leben auf.