»Vater schwieg,« antwortete er nur.

»Bist du auf Häphestos nicht nach und nach in allen Abteilungen beschäftigt worden?« fragte sie und sah ihn in lebhaftem Interesse an.

»Ich – nein – ich mußte damals oft in Paris sein – ein – Freund dort bedurfte meiner.«

Dann, in plötzlichem Entschluß, als sichere er ihren fragenden Blicken etwas zu, sprach er: »Alles läßt sich nachholen – Klara – du sollst noch Respekt vor mir bekommen.«

Und nach diesem Gespräch schien er eine Aufwallung von frischer Lebensfreude zu haben – war so liebevoll mit seiner Frau. Klara wurde von einem Gefühl der Beklommenheit ganz verwirrt – ja – so sah es aus, als fange er an, sie sehr, von ganzem Herzen zu lieben. Als sei sie ihm sein Halt, sein Stolz. Da spürte sie noch etwas ganz anderes als jenen Rausch, den sie nicht verstand und der ein Wunder war und ein Rätsel und vielleicht sehr abscheulich oder vielleicht ein großer Naturzweck – –

Ob sie wohl je dahin kommen würde, das wechselnde Wesen ihres Mannes zu verstehen? Und die tiefsten Gründe seiner Unausgeglichenheit aufzuspüren?

Unbegreiflich war ihr auch gewesen, in welcher Art er es aufnahm, daß ihre Zweisamkeit sich im Frühling zur Familie erweitern würde.

»Schon Vater werden? – Wie alt kommt man sich vor. – Ja, das ist dann wieder eine neue Lebensepoche – man wird immer mehr Philister ...«

Sie sah ihn an – starr – staunend – vor peinlicher Überraschung stumm. Doch ehe es dazu kam, daß diese ihre Überraschung sich in Schmerz auflösen konnte, erfaßte Wynfried schon ihre beiden Hände. Küßte ihr die Rechte – küßte ihr die Linke und sagte: »Welche erhebende Aussicht ...« Und ließ sie allein – als treibe ihn Verlegenheit fort.

Von da an kamen immer häufiger die Augenblicke, wo Klara sich fragen mußte: liebt er mich doch? Es machte sie glücklich und ängstlich zugleich – –