Und sie steigerte sich in die Hoffnung hinein: ich werde ihn auch lieben – einmal – dann ... ja dann ...
Es wurde sehr stark an die Tür geklopft. Das machte ihrem Nachsinnen ein Ende. Sie wußte, wer kam und wer so klopfen ließ. Sonst war ihr erster Weg jeden Morgen hinauf zu ihrem Schwiegervater, aber er hatte gestern gesagt: »Du sollst dir deinen Glückwunsch von mir nicht holen. Ich bring’ ihn dir. So viel Höflichkeit steckt doch noch in mir altem brüchigen Mann.«
Er machte sonst die Fahrt mit dem Lift, die ihm ärgerlich war, nur einmal am Tage, wenn er zum Essen herunterkam.
Nun schob Leupold den Fahrstuhl herein. Dieses Gefährt kleidete gewissermaßen den alten Herrn nicht so gut – im mächtigen Ledersessel thronte er. Hier sah man so deutlich, daß ein Gelähmter darin saß. Vielleicht hatte er selbst ein dunkles Gefühl davon, denn er konnte sich mit seinem Fahrstuhl nicht vertragen. Voll Ungeduld entdeckte er täglich neue Ärgernisse an seiner Konstruktion und bestritt, daß sie von der möglichsten Vollkommenheit sei.
Klara eilte ihm entgegen und umarmte ihn. Er war sehr in Anspruch genommen von dem Geschenk, das er brachte. Leupold nahm es dem blonden Georg ab, der in militärischer Haltung dem Zuge folgte und einen Damenpelz über dem Arm trug. Eine förmliche Prozession, und die junge Frau lachte. Erst als der zweite Diener sich zurückgezogen hatte, hob der alte Herr ihr den Pelz entgegen, den man ihm auf die Knie gebreitet. Eine Mütze war auch dabei. –
»Ja, lach mich nur aus. Auf einmal soll man und will man galant sein. Hab’ seit vielen, vielen Jahren weder Ursache noch Gelegenheit gehabt, für junge Damen was einzukaufen.«
»O wie schön. – Prachtvoll, Vater – wie danke ich dir –« Und sie dachte: »Was soll ich nur damit?!«
»Hab’ Wynfried um Rat gefragt. Der versteht ja von Damentoiletten mehr als vorderhand vom Eisenguß –«
»Wynfried?« fragte sie.
Ihre erstaunte Frage war ihm unangenehm – er begriff: das war eine überflüssige Bemerkung gewesen ...