»Na – das kam mir vielleicht auch nur so vor – er war sehr erpicht darauf, daß ich dir was Statiöses schenke – Klara ist zu uninteressant angezogen ... sagte er.«
»Ich?« fragte sie wieder dazwischen; »kann man denn ›interessante‹ Kleider haben?«
»Muß man ja woll. Kind, ich meine, du bist immer gerade recht gekleidet,« sagte er mit Nachdruck. »Aber für Wynfrieds Geschmack muß es Nerz und Hermelin sein – sieh dir das mal an – Leupold, laß mich da – hol mich in einer Stunde wieder – du weißt, der Kommerzienrat Kreyser hat sich angemeldet. – Na, mein Kind, was staunst du denn den Pelz an –«
»Vater, mir ahnt, das ist was sehr Kostbares.«
»Ziemlich. Aber sieh mal: wenn Wynfried dich doch gern in solchem Dings sehen mag ...«
Klara dachte an ihre alte dicke Winterjacke und die pastellblaue Wollmütze.
Der bittende Ton des alten Herrn rührte sie. Mit Vorsicht breitete sie den Pelz auf den graublauen Sofa hin und sprach: »Wir müssen ihm schon den Gefallen tun – denn, nicht wahr, Vater? er tut sein Bestes, vor dir nach und nach zu bestehen.«
»Vor mir? Kind, vor dir! Du bist es und der Respekt vor dir, der ihn aufweckt! Man kann nicht alles auf einmal verlangen. Das Gleichmaß fehlt noch – noch die Ausdauer – aber es kommt! – Alle Begabungen sind da – Thürauf ist oft ganz glücklich. – Du kannst dir woll denken, daß Thürauf und ich unter vier Augen keine schönen Redensarten über wichtige Dinge machen, sondern klipp und klar Wahrheiten sagen. Ja, Klara – das bist allein du! Meine Hoffnungen erfüllen sich. Ich kann kein Dankeswort sagen ... Du weißt von selbst, was ich fühle ...«
Er sah sich um. Immer sprach dieser Raum zu ihm. Stimmen aus vergangenen, schweren und doch erhebend schönen Zeiten füllten ihn. Von der Wand sah das lieblich-ernste Angesicht der heiligen Toten ...
»Nicht nur dich hast du ins Haus gebracht – mit all dem Segen, der du uns bist – nein, auch diesen Tempel des Gedächtnisses – –«