Denn Wynfried bestand sogleich darauf, daß man ein solches Wesen suche. Er erklärte dem Doktor Sylvester und seiner Frau, daß es ihm einfach gegen sein ästhetisches Gefühl gehe, wenn Klara den Jungen selbst nähren wolle. Er kümmerte sich sonst um nichts. Aber in diesem Punkte war er fest. Doktor Sylvester stritt energisch für das Natürliche. Aber über Klara kam auf der Stelle eine ihrem Wesen sonst fremde Mattigkeit. Sie konnte nicht kämpfen.

Sie hatte nur ein dumpfes Gefühl von einer unüberbrückbaren Verschiedenheit in großen Dingen. –

Sie mußte den stillen Mut haben, ein Opfer zu bringen. Über Wynfrieds Wünsche durfte man nicht hinweggehen – sie nicht, deren Aufgabe es war, einen Mann aus ihm zu machen – und sie spürte: hier war es ihm ein Bedürfnis, sich als Gebieter zu fühlen.

Er kümmerte sich sowieso wenig um das Kind. Ärgerlichkeiten sollten in ihm nicht aufkommen.

Bald bemerkte Klara, daß ihr Mann entweder die Veränderung im Familienleben als einen Abschnitt ansah, der ihm mehr Freiheit zurückgebe, oder daß er die letzten Nervositäten abschüttelte, die ihm noch angehaftet.

Er zeigte allerlei neue Interessen und eine frischere Stimmung von der erfreulichsten Ausgeglichenheit.

Unfern der Anlegebrücke, zu der die von Hainbuchenhecken geleitete Sandsteintreppe hinabführte, ankerten nun ein Motorboot und eine seegehende Schonerjacht. Hart an der Brücke schaukelte an seiner eisernen Kette das kleine Beiboot, mit dem man in ein paar Ruderschlägen zu den beiden Fahrzeugen kommen konnte.

Das Motorboot war viel größer und eleganter als das der Baronin Agathe Hegemeister. Es hatte in der Mitte eine Salonkajüte, aus deren rotgrauen Samtsofas man leicht Bettstatten schaffen konnte. Eine Kombüse und ein kleiner Toilettenraum schlossen sich an. Größere Ausflüge, mit Übernachten an Bord, ließen sich nötigenfalls im Motorboot ausführen. Es hieß dem Kinde zu Ehren »Severin«, während die Jacht den Namen »Klara« trug.

Die war schneeweiß und wirkte neben dem von Benzin getriebenen Mahagonigefährten südlich-kokett. Ihr Deck, von schmalen Pitschpinebohlen, strahlte von Glätte und Sauberkeit. Sie besaß im Raum eine Hauptkajüte, eine Damenkajüte, wo drei Damen es nicht allzu eng haben würden, Kombüse und große Mannschaftskojen, war also zu größeren Küstenreisen durchaus eingerichtet und seetüchtig, auch in den Sunden und Belten der holsteinischen und dänischen Gewässer zu kreuzen.

Ihre Mannschaft trug krebsrote Sweater zu weißen Hosen und krebsrote Zipfelmützen. In dieser munteren Tracht sah man sie wie Spring- und Kletterwesen an den Masten und mit den bleichgelblichen Seidensegeln flink hantieren. Sie wurden von einem »Schiffer« kommandiert, der einen marineblauen Jackenanzug mit Goldknöpfen trug und um seine Schirmmütze ein goldenes Band hatte.