Daß Wynfried plötzlich auf diesen Sport verfallen war, sagte dem Geheimrat in mancher Hinsicht wohl zu. Er sah es: nach einem Jahr des gesunden Lebens neben einer Frau, die ihm Achtung abforderte, in immer regelmäßiger werdender Arbeit, war seinem Sohne ganz einfach das zurückgekommen, was er in tollen Jahren verloren gehabt hatte: die gesunde Jugendkraft.

Und wenn sie sich im Sport betätigen wollte, konnte ihr hier, in der Nähe von Travemünde und dem berühmten Segelwasser der Lübecker Bucht, keiner verlockender scheinen als dieser.

Er freilich hatte dergleichen nie gebraucht, um sich zu erholen.

Diese seine Randbemerkung fand Klara etwas ungerecht und zu sehr: einst gegen jetzt.

»Solche Arbeitsgenies wie du sind auch selten. Außerdem: alles liegt anders jetzt. Der Mann von heute wird ja durch seine Arbeitsstunden so gepeitscht, daß er Ausgleich für seine Nerven haben muß, wenn er sich nicht zu früh verbrauchen soll. Du, Vater, und all die deiner Generation – ihr seid so nach und nach in das Hetzen hineingewachsen. Heut fängt’s ja schon für die Kinder mit dem Telephon an. Ich meine: Gottlob, daß Wynfried die Erholung im Sport sucht.«

»Ja – gottlob,« dachte der Geheimrat. »Wenn er alle Augenblick nach Berlin oder Hamburg führe, um sich zu erholen ...«

Sicherlich, das hätte sein Vaterherz geängstigt – obgleich – Nein! Nein – solche Frau – und einen Sohn in der Wiege – da war wohl keine Gefahr mehr.

Klara fuhr fort: »Du hast mir einmal erzählt, daß seine Mutter sehr vergnügungssüchtig gewesen sei, und es hier nie lange aushielt. Sieh – es rumort doch gewiß auch etwas vom Blut seiner Mutter in ihm und will durch Abwechslung und Freude beruhigt werden. Wollen wir nicht dankbar sein, daß er sie in der Natur sucht?«

»Nimm ihn nur in Schutz,« sagte der alte Herr weich. Lieberes konnte er gar nicht hören. – –

Die Taufe wurde mit einem großen Mittagessen gefeiert, zu dem von allen Seiten her, aus dem Mecklenburgischen und Lübeckischen, die Freunde des Hauses gefahren kamen.