»Kind,« schalt er, »so außer Atem ... Und so elend siehst du aus – was ist denn das? Ich dachte schon immer bei Tische: was hat denn Klara?«

Sie legte ihre Wange sacht auf seinen Scheitel und ihren Arm um seine Schulter.

»Es war wohl ein bißchen viel,« sagte sie leise, »ich hätt’ die Feier lieber im kleinen Kreis gehabt.«

»Ich auch, aber das ist Wynfried. Man muß ihm zu Willen sein.«

»O ja – immer – immer,« sprach Klara.

Ganz unbeweglich, auf das Haupt des Alten geneigt, stand sie – lange – lange.

Wie tat das wohl – gab solchen Frieden.


An diesem Abend verlobte sich das älteste Fräulein Thürauf doch noch mit Herrn von Brelow. Er bat den Generaldirektor und seine Gattin um ein Gespräch. Und auf einem etwas melancholisch von einer Traueresche überhangenen Sitzplatz, im nüchternen Schatten, wurde die Angelegenheit verhandelt. Der Freier in seiner schönen, aristokratischen Erscheinung, mit den schon angegrauten Schläfen und dem sorgenvollen Ausdruck, sprach: »Ihre Luise, meine gnädige Frau, und ich, wir haben uns lieb. Ich weiß, daß Luise auf keine Mitgift zu rechnen hat. Sie sprachen es so oft aus, Herr Generaldirektor, und auch Luise hat es mir so ausdrücklich bestätigt, daß wir von vorneherein wissen: wir müssen mit dem bescheidenen Los zufrieden sein, das ich ihr bieten kann. Und da Ihre Tochter in ihrer prachtvollen Charakterfestigkeit und anspruchslosen Art mir gesagt hat, sie könne ohne Luxus leben und bewerte eine herzlich-friedliche Ehe höher als Glanz, so hoffe ich, daß Sie, Herr Generaldirektor, und Sie, gnädige Frau, uns Ihre Einwilligung nicht vorenthalten werden.«

Die wunderhübsche Frau drückte sogleich gerührt mit der Linken ihr Spitzentüchlein gegen die Augen, während sie mit ausdrucksvoller Geste ihre Rechte Herrn von Brelow entgegenstreckte, die er verehrungsvoll küßte.