Aber ein so bekümmertes und verschmachtendes Frauenherz ganz ohne Trost zu lassen, wäre völlig gegen Wynfrieds Art gewesen.
Er nahm sacht die Hand, die weinende Augen verborgen hatte. Er dachte sich wohl, daß dies noch die allerletzten Tränen seien, die dem unerbittlichen Stephan nachflossen. Und er hatte längst herausgefühlt, daß bei Agathe in die abschwindende Liebe sich schon eine neue Verliebtheit mischte – wie der Mond noch, immer mehr verblassend, am Himmel steht, wenn die Morgensonne sich strahlend erhebt.
Er hielt tröstend und innig ihre Hand zwischen seinen beiden.
Er sah ihr tief in die Augen, und seine Blicke sagten ihr, daß sie ganz gewiß die Gabe habe, Herzen zu gewinnen.
Es schien ja eigentlich kein Grund zum Erröten vorzuliegen. – Aber Agathe errötete doch – und ihr Atem fing an, rascher zu gehen.
»O,« rief Fräulein von Gerwald, »Fehmarn!«
Sie stand auf und stieg vom Sitzplatz aus die zwei Stufen empor auf Deck. Ihr Herz klopfte ... Dieser Blick zwischen den beiden ... Gottlob, daß da gerade Fehmarn war ...
Hingebreitet in den blauen Fluten lag die flache Insel, mit ihrem hellen Sandstrand, ihren goldgelben, reifenden Ährenfeldern und dem kleinen Städtchen Burg mit seinen dunklen Dächern unter und zwischen der Ehrwürde uralter Ulmen und behaglicher Obstbaumwipfel. So liebenswürdig pastoral tauchte der Kirchturm aus dem Gehäufe der Ortschaft auf.
Man war nah genug, alles zu erkennen, und doch noch so fern, daß jede etwa störende Kleinigkeit der Uferszenen verschwand. Ein Bild wie von kluger und sehr feiner Kunst hingemalt.
Und zur Rechten das weite, uferlose Meer, im letzten Glanz der Sonne, die hinter der Küste zur Linken unterging. Voraus öffnete sich der schmale Fehmarnsund.