Das alles war sehr schön, und Fräulein von Gerwald, die am Kajüteneingang lehnte und hinaussah, dachte immerfort, von schwersten Zweifeln geplagt, ob es nicht ihre Pflicht sei, ihre Herrin darauf aufmerksam zu machen, oder ob sie klüger handle, sie ungestört mit Herrn Lohmann zu lassen. Und außerdem: war es nicht Zeit, zu Abend zu essen? – unten warteten Hummer! – Und war es nicht Zeit, umzukehren? Wann kam man nach Haus? Großer Gott – es konnte sehr spät werden. –
Agathe schien jetzt keine Neugierde auf Fehmarn und den reizvollen Anblick der korngelben Insel im Rahmen blauer Wogen zu haben.
»Sie sind immer wie ein wahrer Freund zu mir,« sagte sie halblaut, »dafür bin ich Ihnen so dankbar.«
»Ich wünschte nur, ich sähe eine Möglichkeit, Ihnen Ihr oft so schweres Gemüt zu erhellen.«
»Mag Klara es aber auch haben, wenn Sie so freundschaftlich um mich besorgt sind?« fragte Agathe bedenklich. Sie hatte doch Klara wirklich lieb – teils aus ihrem allgemeinen Bedürfnis zum Lieben, teils weil sie sie neidlos bewunderte – neidlos, aus dem unbewußten Gefühl heraus, daß Klara nichts daran lag, Gefallen zu erwecken.
»Ich bitte Sie!« sprach Wynfried sehr lebhaft. »Klara und einem Menschen etwas nicht gönnen: das gibt es gar nicht. Und noch dazu Ihnen – ihrer Freundin ...«
»Ja, sie ist so selbstlos und gütig,« seufzte Agathe.
»Eine famose, großartige Frau! Ich weiß nicht – Sie sind doch Freundinnen – hat sie sich je über unsere Ehe ausgesprochen?«
»Nie. Klara spricht nie von sich – sie ist so verschlossen. Ich bewundere es.«
Wynfried neigte sich noch näher herüber und sprach, beinahe flüsternd: »Sehen Sie, liebste Freundin – im tiefsten Vertrauen! Man muß meine Ehe mit Klara anders beurteilen – wie wohl sonst Ehen. Wir haben uns gewissermaßen meinem Vater zu Gefallen verheiratet. Wissen Sie – als ich heimkam – Gott, es sind schon dreizehn Monat seitdem, wie ist es möglich! Da hatte ich so viel Schweres durchgemacht – eine Frau hatte mich verraten ...«