»Sie waren so gern hier. Sind erst seit anderthalb Jahren – knapp! – wann war’s doch? Mai vor’m Jahr. – Und nu wieder weg! Auch ohne die gespannte Lage und die Aussicht, daß es bald losgeht: Sehn Sie mal, hier mit uns wird sich ja doch bald alles ändern. Die Einheit der Bataillone soll ja nicht mehr zerrissen sein – wir sind noch von den wenigen, die auf zwei Garnisonen verteilt stehen. Da hängen wichtige Änderungen in der Luft. Entweder kommen die zwei Kompanien aus Dassow zu uns oder wir werden dorthin verlegt –«

»Es muß sein!« sprach Marning mit schwerem Ernst.

Nun schwieg der Hauptmann erst einmal und dachte nach. Es war zu natürlich, daß er seine Gedanken nach irgend welchen begreiflichen Gründen umherjagen ließ. Aber er fand nichts. Ein paar Minuten erwog er wohl: flieht er vor den zärtlichen, werbenden Blicken der molligen Baronin? Nein, vor so ’ner gurrenden Taube läuft doch ein Mann nicht weg! Auch fürs Abwinken findet ein zartfühlender Mann noch ritterliche Formen. Ganz abgesehen noch davon, daß Agathe, wie er manchmal gemerkt hatte, in der letzten Zeit recht dringlich mit Wynfried Severin kokettierte – offener, als es einem verheirateten Mann gegenüber schicklich schien.

Er mußte sich also sagen: wenn Stephan Marning einen solchen Entschluß gefaßt hatte und die Gründe dazu verschwieg, so lag Ernstes vor.

Vielleicht kamen da Dinge ins Spiel, die nichts mit den hiesigen Menschen und Verhältnissen zu tun hatten.

Also – wenn Marning schwieg, so hieß es für den Kameraden: diskrete Haltung! Achtung vor seinem Entschluß, der vielleicht ein schwerer war; keine zudringlichen Fragen.

»Was es auch ist, das Sie von hier forttreibt oder von anderswoher ruft: Sie sagen: es muß sein – da darf ich nur noch schweigen,« sprach er bekümmert.

Ihre Pferde schritten mit nickenden Köpfen ruhevoll. Munter klang hinter ihnen der Marschgesang der Soldaten. Der durchfeuchtete Wald stand regungslos in der schwülen Luft.

Stephan rang mit sich. Der kriegerische Mann an seiner Seite war ihm teuer geworden. Er wußte ja: der litt. Heldenblut kochte ungestüm in seinen Pulsen. Und er durfte nichts sein als ein stiller Vorbereiter, ein unermüdlicher Erzieher! – Sollte er ihm nicht ein andeutendes Wort sagen – daß er sich in der Lage befinde, Tapferkeit durch Flucht zu beweisen – ja, es gibt auch solche Lagen – und auch sie fordern stillen Heldenmut. – Stephan fühlte: es war unmöglich! Jede, die fernste Andeutung mußte Likowski die Wahrheit erraten lassen. –

Unmöglich. –