Mit zornigem Mut ließ er das gleich feststellen. – Seine Lebensgeister waren alsbald in vollster Energie wach. Er übersah seine Lage.
»Und jetzt,« sagte er, »gerade jetzt! –«
Ein solcher seelischer Jammer bebte in seiner Stimme, daß es die Kameraden ergriff. Und Hornmarck, der noch eben über seinen eigenen Heldentod vorweg gerührt gewesen war und schon zwei weinende Mädchen im Geist untröstlich gesehen, erlaubte sich, zu beschwichtigen: »Ach, es geht schließlich doch nicht los!« Wofür er vom Hauptmann einen flammenden Blick des Zornes erhielt.
»Vorsichtig, Kinder!« mahnte er dann. »Faßt mich klug an – ich mein’: egal, wie weh es tut – ich mein’: vorsichtig – daß die Sache nicht schlimmer wird –«
Und dann richtete er sich an Marning.
»Mir ist so: das kann kein komplizierter Bruch sein – Und wenn’s ein simpler ist – was? Der heilt schnell?«
»In vier Wochen,« sagte Hornmarck in nicht umzubringender Naseweisheit, geradezu mütterlich.
Stephan fertigte eine Ordonnanz ab, sie sprengte auf dem zweiten Pferde Likowskis davon. Die Kompanien setzten ihren Marsch fort. Aber sie sangen nicht mehr. Bald war nur noch eine kleine Gruppe auf der Landstraße: der Hauptmann, mit einem zusammengelegten Soldatenrock als Kissen unterm Haupt – Stephan als Wache und Pfleger – ein paar Soldaten, davon der eine in Hemdärmeln. Und die Soldaten schwärmten aus, um von der Waldgrenze große Zweige zu holen, mit denen sie über dem Gestürzten ein kleines Kopfdach improvisieren wollten. Denn die Sonne brannte durch die feuchte Schwüle, und es war gerade, als ob die schweren Wolken am Himmel vorsichtig vermieden, die grelle Scheibe zu bedecken.
»Hier lieg’ ich nun, als die Karikatur eines Helden. Die ganze Szene Karikatur – sieht ’n bißchen nach Schlachtfeldgrenze aus – ist bloß ’ne Albernheit!«
Stephan hatte als Fahnenjunker einmal den linken Schulterknochen gebrochen, und er wußte: es tut verflucht weh! Auch ein Mann kann da wohl die Zähne zusammenbeißen. Aber er sah wohl, nach der allerersten kurzen Anwandlung, die ihn überrascht hatte wie ein Überfall aus dem Hinterhalt, war bei Likowski die Wut und der Hohn größer als aller Schmerz.