Er mußte ihr Recht geben.

Keine Übereilung, kein Liebeswahn hatte sie in die Ehe hineingelockt.

Mit klarem Bewußtsein suchte sie in ihrer Ehe kein zärtliches Glück – sie gab ihr als Ersatz einen würdigen Inhalt, in sittlichem Pflichtgefühl.

Gerade diese Ehe, so geschlossen, mußte unzerbrechlich sein.

Und nichts durfte der teuren Frau die Erfüllung ihrer Pflicht erschweren! Seine Liebe durfte ihr keinen Kampf und keine Beunruhigung bringen. Er konnte sie ihr am größten dadurch beweisen, daß er still beiseite ging und fern und einsam litt.

Fort aus ihren Wegen ...

Er stand auf. Ging nach seiner Wohnung. – Er merkte unterwegs: es tropfte – jene großen, schweren Tropfen begannen herabzuspielen, die einen prasselnden Gewitterregen einzuleiten pflegen. – Und da fuhr auch ein Blitz nieder. – Der jähe Schein strich ihm förmlich über die Augen. Ein Schlag polterte nach, und dann stürzte der dicke Regen hinterdrein, daß die Luft wie von Kristallperlen durchsät war. Und nach fünf Minuten war auch das vorbei. – Wie ein ganz merkwürdiges, kurzes Aufpochen all der droben auf der Lauer liegenden Gewalten war das gewesen ...

In Stephans Zimmer brütete stumpfe Hitze. Voß hatte die Fenster geschlossen gehalten. Luft! – Fenster aufgestoßen! – Die Litewka her. – Eine halbe Stunde Ruhe. – Um vier wieder Dienst. –

Voß meldete: da liege ein Brief.

Stephan hatte ihn nicht bemerkt zwischen all den Büchern und Papieren auf dem Schreibtisch. Seine Gedanken waren nicht, wie die jener Menschen, die große Korrespondenz haben, zuerst auf den Posteingang gerichtet, wenn er heimkam.