Nun dachte Klara: er ist abgelenkt – er sucht nicht mehr, weshalb ich so erschrak ...
Er aber dachte: Noch schwerer wäre es, fort zu müssen, wenn Zerstörungen drohen. – Weshalb entsetzte sie sich so? Was will da an mein Haus herankommen? ...
Bald nach drei Uhr, als eben rasch verprasselnder Gewitterregen mit einem Blitz und Donnerkrach vorbeigezogen war, kam Leupold mit einer Bestellung. Marnings Bursche hatte diesmal genau telephoniert.
Klara hörte mit ruhigem Gesicht und sprach: »Also kein Gast zum Abend. – Sagen Sie meinem Schwiegervater, daß ich nur einen kurzen Besuch auf Lammen machen würde und ihm beim Abendessen jedenfalls Gesellschaft leistete. – Ach – ja – und: fragen Sie doch nachher einmal bei Frau Doktor Lamprecht an, was für ein Unfall denn das ist, den Herr von Likowski hatte ...«
Der Himmel verdüsterte sich und ward hell – dies launische Wetterleben da oben verhieß nichts Gutes. Der besorgte alte Herr ließ durch Leupold noch besonders darauf aufmerksam machen. Aber Klara blieb eigensinnig dabei: sie habe es sich nun einmal vorgenommen.
Sie wollte nicht im Hause sein, wenn Stephan es betrat – gerade heute nicht. – Eine zufällige Begegnung war möglich, ein Ruf des alten Herrn konnte sie herbeizwingen. Und heute, wo eine so große Frage an ihn herankam, sollte kein Blick von ihr, kein Beben ihrer Stimme zu einem Einfluß werden. –
Halb sechs fingen die Wolken an, ihren Inhalt herabzuschütten. Und als der alte Herr trotzdem unter seinem Fenster den hellen Warnruf des Gabrielshorns hörte, hinter dem drein gleich die Hupe ihren dunkeln Laut ertönen ließ, da wußte er: Klara fuhr davon!
Seine Stirn runzelte sich. Er dachte wieder an den angstvoll ausgestoßenen Befehl – sah wieder ihren Schreck und das, was aus ihren Augen flammte.
Und er fragte sich kaum noch – er fühlte: sie flieht vor diesem Mann!
Sein Ausdruck wurde gramvoll. –