»Nein – nein – ich kann nicht hier bleiben,« sprach sie abwehrend. Und sie brachte allerlei heraus von Handwerkern auf Lammen, von der Modistin, die aus Berlin mit Anproben käme.
Dann saßen sie beieinander, auf einer Chaiselongue, in der Nähe des Fensters. Der bleiche Nebel draußen hing vor den Scheiben. Und Agathe war plötzlich stumm. Ihr Herz klopfte. Und in ihrem kleinen Hirn jagten hilflos die Gedanken, um die schöne, innige Rede wieder zusammenzubringen, die sie sich in zwei schlaflosen Nächten ausgesonnen. Eine Rede, durch die sie sich selbst immer wieder zu Tränen gerührt hatte, die auch Klara das Herz erweichen mußte! Mit deren Erfolg sie Wynfried überraschen wollte! Noch diese Nacht dachte sie nach Köln zurückzufahren. Aber eine Depesche sollte ihr vorauseilen – ihm sagen: alles ist geordnet.
Nun aber war die Rede fort. Völlig verweht im Sturm der Angst ... Was sollte werden, wenn sie die rechten Worte nicht fände?
Ihr war so unheimlich zumute! Sie konnte das Gefühl nicht los werden, daß aus dieser unglückseligen Begegnung mit Likowski sich irgend eine Katastrophe entwickle. Ein größeres Pech konnte es auch gar nicht geben! Sie saß mit Wynfried in einem kleinen Weinrestaurant in der verborgensten Ecke. Oft waren sie schon dort gewesen, und sie hatten niemals eine Uniform dort gesehen, außer der der Bonner Husaren. Und nun kam eine kleine Gesellschaft, zwei höhere Artillerieoffiziere mit ihren Damen – und mit ihnen Likowski, in Zivil.
Es war ihr schrecklich gewesen, schrecklich! Aber Wynfried schalt sie aus – ach, er war nicht mehr der strahlende, anbetende Freund der ersten Zeit. Er sagte: »Likowski ist Kavalier, als solcher weiß er, daß er uns nicht zu sehen und zu erkennen hat.«
Aber Likowski kam dennoch heran – auf eine so fremde, ferne Art – einen Schritt vom Tisch blieb er und grüßte kalt. Und sprach in einem Ton, der nicht aus Agathens Ohren wollte: »Bitte, Herr Lohmann – auf ein Wort.«
Und Wynfried stand auf und folgte dem Hauptmann. – Sie blieben außer Hörweite stehen. – Steif und höflich sah es aus, wie sie ein paar kurze Worte zusammen sprachen. – Dann verneigten sie sich sehr förmlich voreinander.
Wynfried kehrte zu ihr zurück – leichenblaß und stumm, und wehrte allen Fragen ab. Und bat – nein – befahl, daß sie am nächsten Morgen abreise.
Von diesem Augenblick an erwuchs in Agathe der Gedanke: Klaras Großmut wird alles in das rechte Geleise bringen. –
»Nun?« fragte Klara. »Wie ist es dir denn in diesen letzten Monaten ergangen? Du warst viel mit deiner Gerwald auf Reisen?«