»Schlecht ist es mir ergangen,« sagte Agathe gedrückt.

»Dir? Schlecht?«

Das tiefe Erstaunen in diesen fragenden Wiederholungen war für Agathe eine Kränkung. Ihr Dasein kam ihr in diesem Augenblick sehr mühselig und beladen vor. Aber das war immer ihr Los gewesen: kein Mensch glaubte ihr, wenn sie litt.

»Ich bin sehr unglücklich,« sprach sie mit weinerlicher Stimme. »Wenn man entsagen und immer wieder entsagen soll ...«

Klara erschrak. Kam ihr die gutherzige, törichte Frau wieder mit ihrem Liebesjammer?

Nur das nicht! Nicht diese kindischen Klagen hören, um einen, den sie selbst in heiliger Entsagung liebte. Das hätte ihre wunde Seele zu peinlich gequält.

Sie suchte nach einem ablenkenden Wort. Aber noch ehe sie es fand, warf sich die andere plötzlich gegen sie – umklammerte ihren Hals und fing schluchzend an, zu weinen.

»Mein Gott – Agathe – fasse dich doch ...«

»Nein,« stammelte Agathe, »nein – ich habe alle Fassung verloren – ich kann nicht mehr – ich kam – weil du – du allein bist es, die mir mein Glück geben kann. – Leben – Ehre – Glück – alles ...«

Was hieß das? Gab es denn, außer dem Vater, der ahnungsvoll ihr geheimstes Leid zu erraten schien und es andächtig beschwieg, gab es einen Menschen, der von ihrer Herzensqual wußte?