Und wie sonderbar drückend war ihr die Körperlast der Weinenden. Sie schob sie von sich und sprach mit blassen Lippen: »Ich habe kein Glück zu vergeben, und ich kann dir nicht helfen.«
»Doch: Gib ihn frei – laß ihn mir – ich liebe ihn über alles in der Welt – ich sterbe, wenn ich auf ihn verzichten soll.«
»Von wem sprichst du?« fragte Klara. Und zitterte vor dem kommenden Wort.
»Von Wynfried – von Wynfried!«
Das kam jammernd heraus – als umschlösse der Name allein alles Unglück ihrer Gegenwart.
»Von – von ...?«
»Ich träume,« dachte Klara, »das ist ja Unsinn.«
»Hast du es denn nicht gespürt? Du mußt doch gemerkt haben, wie glücklich und froh er war. – Aber das ist es – so was kannst du nicht merken – du bist ja nur seine gute Freundin – du bist kalt – ach – du weißt nicht, wie es ist, wahnsinnig zu lieben. – Deshalb kann es dich auch nichts kosten, gar nichts, ihn frei zu geben.«
Verstummt, gelähmt saß die junge Frau. Die vergangenen Monate zogen in rasendem Fluge an ihr vorbei. Sie sah ihren Gatten – immer liebenswürdig, höflich – rücksichtsvoll – ohne Ansprüche an ihre Hingabe. – Wie war es friedlich – wie erlösend gewesen. – Aber nun. – Diese allerletzten Wochen? Umwarb er sie nicht? Begehrlich – wie ein Verliebter?
O Schmach!