Und unterdessen ging die jammernde Rede der anderen immer weiter – wurde ruhiger – nahm endlich den Ton des Rechtes an. Mit der Miene eines kleinen Mädchens, das seine ersten Liebessorgen hat – naiv – manchmal fast treuherzig. Und sie schloß: »Siehst du, geliebte Klara, ich habe dir ja nichts weggenommen. Ihr habt euch nicht aus Liebe, sondern nur dem Vater zu Gefallen geheiratet. Und Wynfried sagt, er sei eben damals so herunter und so willenlos gewesen, daß er sich habe verheiraten lassen. Deshalb brauche ich dir gegenüber auch kein schlechtes Gewissen zu haben. Ich hab’ dich auch viel zu lieb, als daß ich dir etwas hätte antun wollen. O nein, dazu bin ich ein zu anständiger Mensch. Laß ihn frei, damit ich sein Weib werden kann. Ich sterbe sonst ...«
Und sie drückte ihr Taschentuch gegen die Augen.
Klara fuhr auf. Sie hatte gedacht – gedacht – und doch, in fiebernder Doppeltätigkeit, alles gehört.
»Vor einem Jahr wolltest du um einen anderen sterben.«
Agathe hörte wohl den Hohn. Aber sie fühlte jetzt zu leidenschaftlich, und alles war doch anders.
»Jetzt weiß ich erst, was wahre Liebe ist!« schluchzte sie.
Wie diese Tränen Klara schrecklich waren – sie wuschen alle Würde von den Worten.
»Du wirst entsagen müssen,« sprach sie hart.
»Dazu ist es zu spät,« sagte Agathe.
Und sie erschrak, weil sie es gesagt hatte! – Ihre Tränen versiegten – eine Art von Trotz kam ihr – sie wartete und sah die Frau an – die blaß, in aufrechter Haltung, mit verschlossenem Gesicht dasaß. – Wie von Unergründlichkeit umwittert. – Was würde ihr nächstes Wort sein?