Und ihr Kind? Wenn sie, die Schuldlose, von dannen ging, so war es ihr Recht, es mitzunehmen. Kein Mensch, kein Gesetz konnte sie daran hindern.
Das würde den alten Mann töten!
Seit er den Enkel besaß, wußte er, für wen er gearbeitet, für wen der Pulsschlag des gewaltigen Werkes da drüben so stark und lebendig schlug. –
Sein Enkel bedeutete ihm die Erfüllung aller Lebenshoffnungen ... Spät, nach vielen und herben Enttäuschungen war sie ihm geworden. – Diese winzigen Kinderhände hatten die Wunderkraft, alles Schwere, alle Entsagungen aus seinem rastlosen Dasein auszustreichen. Endlich – an der Schwelle des Grabes fast – gab das kleine Kind ihm noch Freude – Freude, mit der ganzen Macht seiner ungewöhnlichen Natur empfunden.
Und dieses Glück sollte sie ihm fortnehmen?
»Nein,« dachte Klara, »das kann ich nicht.«
Eine Stimme schien sie zu fragen: »Aber kannst du dich denn noch einmal dem Manne zu eigen geben, der dich jetzt mit so werbenden Blicken verfolgt?«
Wie groß die Opfer auch gewesen waren, die sie gebracht hatte – das äußerste war ihr erspart geblieben: ihre weibliche Würde blieb unverletzt.
Sollte sie sie nun zerbrechen lassen?
Wo war der Ausgang aus dieser Wirrnis von einander bekämpfenden Pflichten und Gefühlen?