Undurchdringlich wie der weiße Nebel stand die Zukunft vor ihr.

Sie glaubte, es seien Minuten vergangen, seit ihr Ohr gequält wurde von dem kindischen Jammer der blonden Frau. In diesem wunderlichen Wechsel zwischen entsetzt hinjagenden Gedanken und bleierner Stumpfheit war ihr alles Maß für die Zeit abhanden gekommen.

Nun erschrak sie, als Georg kam und die Tischzeit meldete.

Es hieß wie alle Tage in Heiterkeit neben dem geliebten Vater sitzen, damit ihm die Stunde der Mahlzeit eine freundliche sei ...

Mechanisch ging sie ins Eßzimmer – vergaß, sich umzukleiden – vergaß den Blick in den Spiegel. – Ging im Zwange der Gewohnheit. –

Es schien, als habe der Tag sein jähes Ende gefunden. Im Eßzimmer waren die Vorhänge geschlossen, und das fahle Nebellicht kam nicht herein. Festlich glänzten die elektrischen Birnen zwischen ihrem Behang von stumpfgeschliffenem Kristall.

Zu Häupten der kleinen Tafel, die fast verloren im reichen Raum stand, saß schon der Geheimrat in seinem Fahrstuhl.

Er sah der Tochter entgegen, das ganze bedeutende Haupt schien wie von einer hellen Stimmung umstrahlt. Eben hatte er seinen Enkel besucht und sich geschmeichelt gefühlt, daß dieser kleine Herr des Hauses vor Vergnügen mit den Patschhändchen schlug, wie ein unflügges Vögelchen mit den noch kümmerlichen Flügeln, als der Großvater hereingefahren wurde.

Aber ganz plötzlich änderte sich der Ausdruck seines Blickes.

Klara im Morgenanzug? Mit dunkelglühendem Gesicht? Wie eine Fiebernde?