Aber das war doch unmöglich. Wie sollte, wie konnte das geschehen? Die einfache Tatsache der festgefügten Lebensverhältnisse verbot es. – Vielleicht eine zornige Aufwallung? Die milderer Stimmung weichen konnte? Aber so seltsam gefaßt, so wunderbar vorsichtig, furchtsam vor dem Klang der eigenen Worte, spricht nicht der Zorn.
»Du und dein Kind – ihr wißt es – ich habe ein Herz! Deine Mutter wußte es! – Und dennoch – dennoch – wenn ich denn ein unnatürlicher Vater bin: – mein Werk steht mir näher als mein Sohn. Ihn könnt’ ich lassen – meinem Werk gehört mein letzter Gedanke. Wir Menschen von heute, wir arbeiten so furchtbar, daß Blut und Schweiß uns zusammenschmiedet mit unserer Arbeit – und wenn unsere Kinder dies heilige Bündnis nicht verstehen, seien sie davon geschieden.«
Klara fror. – Die Unerbittlichkeit sprach zu ihr. – Und ihr war, als sei es kein Zufall, daß seine Faust sein Leben lang dem Erz das Eisen abgerungen habe ...
»Vater,« sprach sie leise. »Wir müssen doch Geduld haben.«
Da drückte sich die Hand noch fester auf ihr Haupt und lag da schwer – und dennoch wie Segen – Trost – Dank. –
Sie mochten nicht mehr sprechen und schauten still durch die Nacht hinüber auf den bestrahlten, quellenden und zerreißenden Rauch, der toll vor dem schwarzen Himmel jagte. –
Und der alte Mann wartete auf eine Antwort. Die Depesche war doch stark genug gewesen. Aber an diesem Abend kam keine Antwort mehr.
Nun, wozu auch Antwort? Am nächsten Morgen würde sein Sohn selbst eintreffen.
Aber die Stunde, für die seine Ankunft bestimmt zu berechnen war, verstrich, und er trat nicht bei seinem Vater ein.
Der Geheimrat ließ Thürauf herüberbitten. Der tauchte aus seinem Übermaß von Arbeit auf und hatte zwei Minuten für den alten Herrn. Wynfried? Vor vier Tagen hatte er das lange und vortrefflich klare Telegramm über die Konferenz auf den Kreyser-Werken geschickt, das der Geheimrat ja kenne. Seither erhielt Thürauf persönlich keine Nachricht vom Juniorchef der Firma. –