Die Ungeduld verzehrte ihn. Allerlei Gedanken überstürzten sich. Auch dieser, daß Wynfried gar mit der blonden Baronin auf und davon gegangen sei.

Aber zu dieser Vorstellung hatte er gleich ein grimmiges Lächeln.

Er kannte seinen Sohn. Der dachte wahrscheinlich ganz unbefangen, wie tausend moderne Ehegatten denken: auf die Treue des Mannes kommt es nicht weiter an. Das Abenteuer mit der Baronin war ihm vielleicht nur ein Sommervergnügen – vielleicht hatte es geheißen: halb zog sie ihn, halb sank er hin. – Ach – klein – klein – banal!

Und die Blicke fielen ihm ein, die sein Sohn in der letzten Zeit für Klara gehabt.

Da stieg ein flammendes Rot bis in seine Stirn, und er litt. –

Es blieb alles stumm. Als wenn die Ferne voll schweren Schweigens sei.

Der Geheimrat ließ ein dringliches Telegramm mit dringlicher Rückantwort an das Hotel in Köln abgehen. Da hatte er binnen einer Stunde in den eiligen Blaustiftbuchstaben der Depesche die Nachricht, daß Herr Lohmann junior im Hotel bisher nicht angekommen sei, daß dort aber seit gestern nachmittag eine D-Depesche für ihn lagere, aus deren Vorhandensein man wohl auf seine baldige Ankunft schließen dürfe.

»Meine eigene Depesche,« dachte der alte Herr.

Nun war er außerstande, noch etwas zu tun. Er konnte nicht an alle Kölner Hotels depeschieren. Wer wußte, ob er überhaupt da war? Man hätte auf Lammen anfragen können. Das verbot sich. Das bloße Suchen nach einem Vorwand zur Nachfrage verbot sich.

Solche Stunden ertragen sich hart.