Da nun seine leidenschaftliche Natur auf schwere Grübeleien angewiesen war und sich nicht in Wort und Tat entladen konnte, stieg seine Nervosität bis zur Unerträglichkeit.
Wenn nur irgend, irgend etwas geschähe, diese Spannung zu lösen ...
Aber beinahe hätte er das, was sie lösen konnte, von seiner Schwelle gewiesen.
Es war am dritten Tag nach jenem unterbrochenen Mittagsmahl.
Der Himmel war hell, durch den bleichen Sonnenschein raste Sturm. Das Land lag braunschwarz, mit den rostroten Farbenflecken der Hainbuchen, in deren Gezweig das welke Laub fror. Der Fluß schuppte sich unruhig. Kahl und freudlos schien die Erde ängstlich auf den Winter zu warten.
Leupold kam.
»Ich soll den Freiherrn von Marning melden,« sagte er. Und fügte gleich, etwaigen Vorwürfen abzuwehren, hinzu: »Ich habe aber keine Aussichten gemacht – habe gesagt, Herr Geheimrat empfingen keine Besuche. Da bat er, ich solle doch fragen.«
Den alten Herrn wandelte eine kurze Verwirrung an. Marning? Er, der für immer aus diesem Hause gegangen war? Noch einmal wieder? Und jetzt –
Nein, nein – gerade ihn konnte er jetzt nicht sehen! Es hätte zu weh getan. Es würde ihn vielleicht hinreißen, zu diesem zu sprechen. Und gerade diesem mußte verborgen bleiben, was jetzt auf dem Hause lastete – denn es wäre auch für ihn schwer, schwer, davon zu wissen.
»Nein,« sprach er vor sich hin, »ich kann nicht –«