»So weit wäre ja nun alles ganz gut und schön gewesen und hätte ganz sachte vertuscht werden können. Dem alten Herrn konnte man was von einem Automalheur erzählen. Was ist heutzutage leichter, als sich auf der Straße die Knochen zu zerbrechen!
»Aber nun kommt’s hochdramatisch. Ohne sich um Wunsch und Willen des vorerst Bewußtlosen zu kümmern, läßt ihn unser Paukarzt ganz einfach in eine Privatklinik schaffen, die ein ihm befreundeter Chirurg hält. Na, das war vernünftig. Als Lohmann zu sich kommt, fällt ihm ja wohl bei kleinem ein, daß die Baronin Nachricht haben muß. Er läßt telephonieren, die Damen möchten abreisen, und seine Sachen sollten vom Hotel in die Meinhardtsche Klinik geschickt werden.
»Vielleicht hatte die mollige Agathe schon Lunte gerochen – und dann das Wort ›Klinik‹. Kurz: nach einer halben Stunde saß sie schon am Bett. Und erklärte jedermann: da ist mein Platz! Und nimmt mit der Gerwald mehrere Räume in der Klinik und macht es offiziös. – Straf’ mich Gott, wenn ich in diesem Falle von meiner sonst gutbeschlagenen Menschenkenntnis sollte verlassen sein! Aber Agathe ist vielleicht, in all ihrer Unbefangenheit, nicht böse über das Duell! Denn nun kann er gar nicht anders. Zu seiner Frau kann er nicht zurück. Sitzen lassen kann er hiernach die Baronin nicht. Und so strafen ihn die Götter und bedienten sich dazu meiner bescheidenen Person.
»Dieses Auftrumpfen Agathens: ›Mein ist der Mann, und mir gehört er zu!‹ – macht es unmöglich, den Fall zu vertuschen. Ehe der alte Herr gar in den Zeitungen davon liest – ehe der Sohn ihn benachrichtigen kann – denn von wegen Agathe kann er nun nicht eine glaubhafte Flunkerei von einem Unfall nach Haus drahten. – Die Lage ist nicht einfach für ihn. Donnerwetter! Na also, ehe was geschieht, das den Schlag zu roh und plump gegen das Gemüt des Vaters führt – gehen Sie sofort zu ihm.
»Er hat Sie lieb. Er achtet Sie hoch. Oft hat er’s mir gesagt. Es ist mir handlicher, mich mit diesem Auftrage an Sie als an den vortrefflichen Thürauf zu wenden. Sie sind mein Kamerad – mein Freund – das sagt alles.
»Von Frau Klara kein Wort! Da verbiet’ ich meiner Feder jedes. Sie wird leiden – jetzt – zunächst in jedem Fall! Aber sie wird mir doch noch mal im Leben freundlich die Hand geben – darauf hoffe ich!
»Und nun: Gott befohlen!
Ihr Likowski.«
Wie langsam der Greis gelesen hatte – ganz gewiß, er mußte jeden Satz wiederholt in sich aufgenommen und lange bedacht haben.
Und nun faltete er mit zögernden Bewegungen die Bogen zusammen. Ein wenig mußte er sich vorneigen und den Arm ausstrecken, um sie auf den Tisch legen zu können, der rechts von ihm aus der Wand vorsprang.