Man sagte: die Liebe kommt oder geht in der Ehe. Erst die Heirat ist der rechte Prüfstein für sie.
Klara dachte: vielleicht lerne ich ihn lieben, wenn er erst mein Mann ist ... Aber dieser Gedanke entglitt ihr – verschwamm in Träumereien. Es war, als mache ihr Seelenleben eine Pause – hülle sich in Dunkel – –
Sie fuhr zusammen – erwachte. Und wußte mit wunderbarer Klarheit: »Ich werde ihn niemals lieben ...«
Freundlich, herzlich, mit allen Vorsätzen, ihn zu verstehen – ja, so konnte sie ihn wohl lieb haben.
Aber nicht mit jener Liebe, die stark ist wie der Tod.
Vielleicht war es auch nicht dies Gewaltige, das für eine segensvolle, friedliche Ehe nottat.
Konnte nicht aus Freundschaft und dem heiligen Willen zu nützlicher Gemeinsamkeit auch ein Glück erwachsen?
Klara wußte, was das war: heiraten.
Ihr Mann hatte alles von ihr zu fordern. Sie durfte in einer Ehe, die sie mit Bewußtsein schloß, nichts verweigern ...
Und weiter wußte sie: gerade in dieser Ehe mußte unter allen Gelöbnissen das zur Treue am höchsten stehen!