Er wurde rot – es schien, als übernehme ihn plötzlich eine Verlegenheit ohnegleichen. Mit einer laschen Gefügigkeit war er hergekommen. Alle Gespräche und die Gedanken waren Theorie gewesen. Jetzt überstürzte ihn die Wirklichkeit.
»Mein Vater hat Ihnen geschrieben?« begann er.
Klara fühlte eine wunderbare, liebevolle Ruhe in sich. Unbewußt etwas Mütterliches.
»Ja. Ich war sehr, sehr überrascht. Aber es war richtig und herzlich von Ihrem Vater, daß er mich vorbereitete.«
Sie schob an dem Tisch – als wolle sie das Sofa freimachen. – Tat, als sei dies ein alltäglicher Besuch – war fast unbefangen –
»Und auf welche Antwort darf ich gefaßt sein?« fragte er.
Klara sah ihn gerade an. Ihre grauen Augen waren so klar – so voll Güte.
»Sie haben mir nichts zu sagen?« fragte sie leise.
Er setzte sich aus Nervosität – unwillkürlich – legte den Hut auf den Tisch – strich sich mit den Fingerspitzen über die Stirn – wie sein Vater pflegte, wenn der sich fassen wollte ... Klara dachte es. Und diese kleine Bewegung war ihr deshalb seltsam wohltuend. Und immer ruhte ihr warmer, sicherer Blick auf seinen Zügen. Er begegnete diesem Blick.
Er begriff: ja – er mußte viel sagen – das hatte sie zu verlangen. Bitten. Zärtlichkeiten, schöne Worte. – Er konnte nicht. Alles in ihm wehrte sich.